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ä- Ist dem Redner die eigentliche Kunstbildung un-entbehrlich. So wenig er in Künsten und Wissenschaften über-haupt ein Fremdling seyn darf, so muß er doch vor allem indie tiefsten Geheimnisse seiner eigenen Kunst einzudringen, undzu diesem Ende das Studium der Theorie mit jenem der vor-züglichsten Redner verbinden. Cicero sagt daher: er empfehlezum Muster des Styls keinen einzelnen Redner, sondern alleüberhaupt, weil durch das Nachdenken über sie, und durch ihreVergleichung mit einander, man nicht bloß seine Schreibartmit glänzenden Farben ausschmücken lerne, sondern auch denfeinen und richtigen Geschmack, und eine Art von schnellem Ge-fühl erlange *).
Dem Redner sind daher auch ununterbrochene Sprachstu-dien zu empfehlen, denn er bedarf einer umfassenden gram-matikalischen und philosophischen Kenntniß derSprache. Beyde müssen innig mit einander verbunden seyn;denn es nützt wenig, daß man klar und richtig denke, wennman nicht auch die Worte findet, jeden Begriff ebenso aüszu-drücken. Eben so wenig aber fruchtet auch die Kenntniß allerWorte, wenn man nicht ihrer Bedeutung vollkommen gewißist, und ihre feinsten Nebenbegriffe und Schattirungen kennt.Die Athener zeigten gegen alles, was in einer Rede ge-schmaklos oder nur nicht hinlänglich gefeilt war, Mißfallen undVerachtung; ein unpassender Ausdruck, ein Verstoß gegen denWohlklang wurde in den Versammlungen des Volkes mit denlautesten Äußerungen des Unwillens empfangen.
§. i3.
Moralische Eigenschaften des Redners.
Das schone und erhabene Ziel des Redners erheischt auchden edelste» Charakter. Ihn muß das wärmste Gefühl und einbrennender Eifer für die Rechte der Menschheit, für das Bestedes Staats und der Gesellschaft beseelen. Unrecht, wen» auch
') Lic. tle or»t. l. L. csp. 1/j.