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was die Menschen am meisten interessier, das Wahre, Wich-tige und Große richtig zu erkennen; nicht bloß durch dunkles,obschon sicheres Gefühl, zu empfinden, sondern seine eigenenVorstellungen zu einem solchen Grade von Klarheit und Leb-haftigkeit zu erheben, daß er sie auch Andern höchst einleuch-tend mache.
2. Eine reiche, lebhafte und starke, ma»ichmahl selbst kühnePhantasie, indem der Redner oft theils sichtbare Gegenstän-de so klar und lebendig schildern muß, daß man sie mit Augenzu sehen glaubt, theils auch abstracte Gedanken, um sie durchVersinnlichung eindringender zu machen, durch Bilder gleich-sam verkörpern muß. Er hüte sich jedoch, mehr als der Dich-ter, seiner Phantasie stets Meister zu bleiben! Um die Kraftund den ganzen Umfang der Phantasie zu begreifen, und da-durch den Maßstab ihrer Herrschaft über Dichter oder Rednerzu haben, ist eine Darstellung ihrer Arten und Grade noth-wendig, nach Ehrenbergs trefflichen Bemerkungen *) überdieses Seelenvermögen.
§. n.
Arten und Grade der Einbildungskraftfür Dichter und Redner.
Die reiche Phantasie muß mit wahren, edlen und wür-digen Bildern genährt seyn; denn sie kann nichts geben, wassie nicht empfangen hat, und soll doch viel geben. Aus dem,was sich in der Phantasie angehäuft hat, bildet sich der Ge-danke, und die denkende Kraft erhält davon Stoff, Reiz und Hülfe.Reichthumder Phantasie ist wenigstens eine Bedingung deSGedankenreichthums. Menschen, deren Einbildungskraft leerist, verstehen sich eben so schlecht darauf, von Andern Beleh-rung anzunehmen, als selbst Ideen zu erzeugen. Die Phan-tasie muß große Vorräthe haben, damit sich dem Witze daS
*) In dem Werke: Charakter und Bestimmung des Mannes.