Ähnliche, der Überlegung jeder Gegenstand mit feinen Eigen-schaften klar darstelle. Die Bereicherung der Phantasie geschiehtaber besonders durch den sreyen vielseitigen Blick in die Welt,doch muß darüber niemahls die Ausbildung einer andern Kraftversäumt werden. Am wenigsten darf sie dem Denkenden hin-derlich werden.
Reizbar ist die Phantasie, wenn sie leicht angeregtwird; beweglich, wenn sie die angeregte Thatigkeit schnellund anhaltend fortsetzt. Die reizbare Einbildungskraft knüpftan jede Anschauung und an jeden Gedanken irgend ein Bild,das, nach ihren Gesetzen, damit zusammenhängt; sie läßt sel-ten die Betrachtung und das Nachdenken seinen Gang fortge-hen. Eine nothwendige Folge hiervon ist, daß demjenigen,welcher von der Natur diese Art der Einbildungskraft erhaltenl>at, bey allem, was er sieht, oder sich vorstellt, etwas an-deres einsällt. Die bewegliche Einbildungskraft abereilt von ei-nem Bilde zum andern; es biethen sich ihr immer neue Ver-knüpfungen dar, und sie muß mit Gewalt zu dem Zwecke derjedesmahligen Geistesbeschäftigung zurückgeführt werden.
Es zeigt sich hieraus, daß diese Art der Phantasie dem Dich-ter mehr zusage als dem Redner, und daß dieser Letztere ge-gen zu große Reizbarkeit und Beweglichkeit sehr aus seiner Huthseyn müsse; denn sie verhindern ihn, bey einer Sache so langezu verweilen, bis er sie gehörig durchdrungen hat; sie verur-sachen unaufhörliche Zerstreuungen, stören ihn im festen Gangeder Untersuchung, da sie die Aufmerksamkeit auf Nebendingeziehen, und erfüllen überhaupt den Geist mit Unruhe undFlüchtigkeit, bey welcher nichts mit Besonnenheit und Kraftausgeführr wird. Der Redner muß also diese beyden Eigen-schaften der Phantasie, wenn gleich die Natur ihn damit begabthat, sorgfältig zu mäßigen bemüht seyn.
Die lebhafte Einbildungskraft äußert sich vadurch, daßsie jedes Bild mit großer Anschaulichkeit vergegenwärtiget, in-dem sie den abwesenden Gegenstand so darstellt, daß er beynahedieselbe Gewalt über unS ausübt, als ober gegenwärtig wäre.