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Der Styl der Beredsamkeit liegt also zwischen dem Stylder gemeinen Prosa und dem dichterischen Styl in der Mitte,und die Feinheit der Linie, auf welcher sich derselbe durch dasGanze eines jeden Werkes halten muß, beweiset die großen,damit verbundenen Schmierigkeiten. Der Styl der Beredsam-keit soll daher nicht bloß bestimmt und deutlich seyn, sondernzugleich auf Neigungen, Gefühl und Geschmack wirken; dießsoll er aber wieder nur bis auf den Grad, über welchen hin-aus die Bestimmtheit und Deutlichkeit der Ideen leiden würde.
Der Redner unterscheidet sich daher vom Dichter durchdie Wirksamkeit der verschiedenen Seelenkräfte, sowohl derje-nigen, welche in ihm selbst thätig sind, als auch deren, welcheer in dem Leser oder Zuhörer anspricht. Der Redner wirkt un-mittelbar auf den Verstand, denn sein Hauptzweck muß im-mer die Überzeugung bleiben; auf Gefühl und Phantasie darfer nur mittelbaren Einfluß nehmen; der Dichter aber muß ge-rade diese zwey letzter» vorzüglich anregen. Er steht also mitdem Redner beynahe im umgekehrten Verhältniß, daher auchdie Wahl und die Behandlung des Stoffes bey beyden so ver-schieden sind, als ihr Ausdruck und ihre Darstellung. Wieverschieden würden z. B. nicht Redner und Dichter ein Themaüber die Unsterblichkeit der Seele, in Folge der hier ausge-stellten Grundsätze, ausführen! Man vergleiche z. B. Men-delssohns oder Platons Phädron mit Tiedge's Urania! —
§. 9 -
Eigenschaften des Redners.
Der Redner bedarf dreyer Arten von Eigenschaften: Jn-telleetuelle, moralische und physische. Nur durch ihre Vereini-gung kann er sich der Vollkommenheit nähern.
§. io.
Intellektuelle Eigenschaften: Verstand undEinbildungskraft.
Diese sind:
i. Ein durchdringender Verstand, um in Allem,