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Überhaupt wurde die Kunst der Beredsamkeit vor Aristo-teles zu unbestimmt und zu isolirt in ihren Theilen behandelt.Erst durch diesen großen Geist erhielt sie Vollständigkeit, Lichtund Klarheit in Bestimmung ihres Zweckes und ihrer Regeln.Alle seine Vorgänger schränkten sich, wie Barrhelemy be-merkt *), darauf ein, bald die einzelnen Stücke der Rede mitEinsicht zu vertheilen, ohne an die Kraft bündiger Beweisezu denken; bald allgemeine Regeln oder Gemeinplätze zu sam-meln; ein anderes Mahl, einige Vorschriften über den Styloder über die Erregung der Leidenschaften zu ertheilen; nochandere Mahle, vielerley Kunstgriffe zu ersinnen, wodurch dieWahrscheinlichkeit über die Wahrheit und die schlimme Sacheüber die gute siege. Aber sie alle hatten wesentliche Stücke ver-absäumt, wie z. B. die Lehre von der Stimme des Rednersund von dem äußern Anstand beym mündlichen Vortrag; dennsiedachten nur an die Bildung eines Sachwalters, und ver-gaßen den öffentlichen Staatsredner, dessen Amt in Griechen-land doch viel nützlicher, ehrenvoller und schwieriger als jenesdes Erstem war. Aristoteles machte sich's daher zum Geschäfte,die Meinungen dieser Lehrer der Beredsamkeit in einem um-fassenden und vollständigen Werke theils ganz umzuarbeiten,theils zu widerlegen, und fast durchgehends mit Hellen Bemer-kungen und wichtigen Zusätzen zu begleiten. Wir haben leiderim Deutschen noch keine Übersetzung von dem vortrefflichenWerke dieses philosophischen Genius.
§. 5 .
Umfang bey den Neuern.
Das eigentliche Meisterstück der Beredsamkeit findet aller-dings nur in der Rede Statt. Die griechischen Rhetoriker spre-chen daher auch nur von drey Gattungen der Beredsamkeit:der berathschlagenden, gerichtlichen und beweisenden. Bey denNeuern rechnet man in das erweiterte Gebieth der Beredsam-
*) Reise des jüngern Anacharsis. 4. B- 2 . Abch.