44 »
Nach einem alten Liede.
Sagt, wo sind die Veilchen hin,
Die so freudig glänzten.
Und der BlumenköniginnIhren Weg bekränzten?
Jüngling! ach! der Lenz entflieht:
Diese Veilchen sind verblüht.
Sagt, wo sind die Rosen hin,
Die wir singend pflückten.
Als sich Hirt und Schäferin»
Hut und Busen schmückten?
Mädchen, ach! der Sommer flieht:
Diese Rosen sind verblüht.
Führe denn zum Bächlein mich,
Das die Veilchen tränkte,
Das mit leisem Murmeln sichIn die Thäler senkte.
Lust und Sonne glühten sehr:
Jenes Bächlein ist nicht mehr.
Bringe denn zur Laube mich.
Wo die Rosen standen.
Wo in treuer Liebe sichHirt' und Mädchen fanden.
Wind und Hagel stürmten sehr:
Jene Laube grünt nicht mehr.
Sagt, wo ist das Mädchen hin,
Das, weil ich's erblickte.
Sich mit demuthvollem SinnZu den Veilchen bückte?
Jüngling! alle Schönheit flieht:
Auch das Mädchen ist verblüht.
Sagt, wo ist der Sänger hin,
Der aus bunten WiesenVeilchen, Ros' und Schäferin»/
.Laub' und Bach gepriesen?
Mädchen! unser Leben flieht:
Auch der Sänger ist verblüht!
I. G. Jacob