Die Farbe des Schnee'S, so strahlend und licht.
Heißt Farbe der Unschuld, doch dauert sie nicht!Bald ist es verdunkelt, das blendende Kleid:
So trüben auch Unschuld, Verleumdung und Neid.
Und Frühlings, von schmeichelnden Lüftchen entbrannt/Trägt Wäldchen und Wiese der Hoffnung Gewand.Bald welken die Blätter, und sinken hinab:
So sinkt oft der Hoffnungen liebste in's Grab.
Nur Wahrheit bleibt ewig, und wandelt sich nicht:Sie flammt wie der Sonne allleuchtendes Licht.
Ihr Hab' ich mich ewig zu eigen geweiht.
Wohl dem, der ihr blitzendes Auge nicht scheut!
Warum ich, so fragt ihr, der Farbe so hold.
Den heiligen Nahmen der Wahrheit gezollt? —Weil flammender Schimmer von ihr sich ergießt,
Und ruhige Dauer sie schützend umfließt.
Ihr schadet der nässende Regenguß nicht.
Noch bleicht sie der Sonne verzehrendes Licht;
Drum trag' ich so gern sie um Stirn und Gewand,Und habe sie F a r b e der Wahrheit genannt.
Sophie Mereau.
Lob der weißen Farbe.
Zartes Weiß, die Feyer meiner LiederWill ich dir aus voller Seele weih'n.
Möchte sie so fleckenlos und reinWie des königlichen Schwans Gefieder,
Wie der Schnee auf hohen Alpen seyn!
Wohl dem Manne, der in seinem Herzen,
Heil'ge Unschuld, deine Farbe trägt!
Wenn Verfolgung ihn in Ketten schlägt.
Kann er noch mit diesen Ketten scherzen»
Weil ein Gott mit rechter Wage wägt.
Philosoph. Abtheit. II. Band. C o