Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
367
Einzelbild herunterladen
 

567

Ein Sturm des Herzens Stimme übertäubt."

Lang' in den Armen hielt die Mutter nochDes Sohnes künfr'ge Gattinn, dann umarmteSie kindlich noch de» heitern Greis, und schied.

Von beyder Blicken lange nach begleitet.

Und Arm in Arm geschlungen, wandeltenDie Liebenden auf den bethauten GängenDes Gartens durch die sternenhelle Nacht.

Es blickt, vom seligsten Gefühl durchdrungen.

Der Jüngling aus die herrliche Gestalt,

Die durch der Blumengänge Dämmerungen,

Gleich einer Elfe, ihm zur Seite wallt.

Auf Abendlüften scheint sie ihm zu schweben,

Den leichten Fuß zum Schritte kaum zu heben.

So waren an des Flusses Ufer sieJetzt schweigend angekommen, wo der KahnIm hohen Schilfe lag. »Geliebte," sprachDer Jüngling, und entließ mit leisem DruckDes Mädchens Hand, »Geliebte, weile hierAm Lrocknern Ufer, daß ich aus dem RohrDen Kahn allein erst treibe; leicht verletztDes Schilfes scharfes Blatt die zarte Haut,

Und sichrer trittst du dort vom Ufer ein."

Er sprach's, und lös'te die geschlungene KetteDes Kahnes von des Busches Aste ab.

Ein leichter Sprung trug in das Fahrzeug ihn,

Und klirrend fiel die Kctt' aus feiner Hand-Ausfaßt' er von des Kahnes Boden nunDie mächt'ge Ruderstangs; unten breitWar sie gestaltet, daß der Wellen MachtSie widerstände, und des Kahnes LaufIn des Piloten weiser Hand regierte.

Mit ihren Eisenspitzen stach er jetztJn's grüne Ufer, langsam wandte sichDer lange Kahn, und unter seinem PfadZerknickte knisternd mancher hohe StabDes braungekolbten Rohres. Zischend wichDas breite Schilf des Kahnes Spitze; dannErhob sich's raschelnd wieder, und verbargDes Fahrzeugs Spur. Der Jüngling drehte nun