Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

564

Georg, der kunsterfahrne Gärtner, vor.

Aus einem Blumentopf, den in der HandEr trägt, erhebt sich hoch die AnanasIn ihrer Blätterkrone. Neben ihmZu beyden Seiten treten seine Kinder,

Ein Mädchen und ein Knabe, in die Laube.

Still gehen sie rings um den Tisch, und bleibenDey den Verlobten stehen. Einen ZweigMit blüh'nden Rosen trug das Mädchen:Spät,"So sprach sie,trägt der Rosenstock, gepflegtMit Sorgfalt auch, des Frühlings Blume; spätMög' Ihnen noch des Lebens Frühling blüh'n!"Der Knabe, jünger als das Mädchen, trugDes Weinstocks mächt'ge Traube; fast erlagDer Kleine unter ihrer Last.Da, Pathe,"

So sprach er lallend zu dem Jüngling,nimm,Und laß dir's schmecken; doch die schönsten Beere»Gib deiner Braut!" Mit seiner Gabe standNah vor dem Tisch der Gärtner, freute sichDer Kinder und des lauten Beyfalls, derDon Allen ihnen wurde.Wohl," sprach er,Wohl merkt' ich, daß die Herrschaft nicht umsonstDes Gartens schönste Blumen heut verlangte.

Da dacht ich: sey es, was es sey, m,ir ziemtEs nicht, zu fragen; doch Gedanken sindJa zollfrey, und die gute Herrschaft wird'sNicht übel deuten. Aus dem Treibhaus nahmIch da die Ananas, die erste, dieIch zog, ich wollte unserm guten HerrnZu seinem Nahmenstag sie heimlich bringen;

Doch, meint' ich, ist wohl heute größre Freude,Als mit dem Nahmen der Kalender gibt.

Nun, nehmen Sie vorlieb, und halten Sie'sDen Kindern auch zu Gute." Und nun setzteDen Blumentopf er auf des Tisches Mitte.

Du ehrlicher Georg," erwiederte

Der Greis,ja freylich hast du es getroffen.

Hier! trink des neuen Paar'« Gesundheit! Mutter,Gib Wein her! laß die Leute fröhlich seyn.

Auf euer Wohlseyn, meine Kinder!" Froh