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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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361
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Jst's, der in Lieb« euch zurücke strahlt.

Und wenn im kindlich-reinen Herzen euch

Der Gottheit Anschau'n wohnt» dann nimmer weicht

Bon euch der Unschuld ew'ger Bruder: Glaube!

Den Sternen gleich, erscheinet er, wenn ringsEuch Nacht umhüllt, so lange nur in euchDen reinen Himmel Wolken nicht bedecken.

Und zeigt euch, daß des Tages Sonne wich.

Jst's Liebe nun, der Unschuld liebstes Kind,

Das eure Herzen bindet, wohl! so sprech'

Ich über euch das hohe Segenswort:

Was Gott zusammen fügt, wird Niemand scheiden!"

Und wie der Greis die Segensworte sprach,

Erzitterten in ihren inn'ren Tiefen

Der Hörer Herzen. "Tausend Stimmen riefen

In ihnen die erhabnen Worte nach.

Die heiligsten Gefühle wurden wach.

Die noch verborgen in dem Geiste schliefen.

Und, wie das Licht enthüllter Hieroglyphen,

So strahlte ihnen hell ein neuer Tag.

Es herrscht umher ein feierliches Schweigen;

Kein Laut entweiht den heil'gen Augenblick,

Das Nied're muß dem Überird'schen weichen.

Zu seinem Innern dringt des Geistes Blick,

Und, liebend sich dem Menschen zuzuneigen,

Kehrt von der Gottheit er zur Welt zurück.

Noch hielt der Greis die Kinder fest umarmt,

Da trat des Hauses Freund, der würd'ge Pfarrer,

Noch in die Laube. Heimlich hatte ihn

Die Mutter zu des Tages froher Feyer

Geladen. Julius erblickte ihn

Zuerst. »Mein Freund, mein würd'ger Lehrer!" rief

Er laut, und flog in seine Arme. Näher

Trat auch die Jungfrau an des Greises Hand.

»Willkommen," sprach der Greis, »du alter Freund!

Dreymahl willkommen, denn nie fandest duDer Glücklichen so viel im engen Raume.

Und daß der Freude Becher bis zum RandeGefüllt sey, hat mein guter Geist auch dichHierher geführt."