65 ^
Bey uns zu nehmen. Freudetrunken gibtEuch dann der gute Vater seinen Segen,
Und beyder Mütter Lieb' umarme euch." —
So fand am andern Tag der heit're GreisDe» Sohn mit der Geliebten. Beyde MütterAn ihrer Seite, führten ihm das PaarEntgegen. „Vater," sprach die Gattinn,
„Hier deinen Sohn und die gewünschte Tochter!"
Und tief vom seligsten Gefühl erglühtDes Greises Brust, und Freudenthränen bebenIn seinen Augen; hoch zum Himmel siehtEr auf mit Blicken, die sich strahlend heben,
Und hohe reine Oankgebethe schickt
Sein Herz empor, das jetzt den ew'gen Willen,
Mit seiner Liebe innigsten GefühlenIn tiefer Harmonie vereint, erblickt.
„O meine Kinder," rief er, „Kinder, nie,
Nie hofft' ich diese Freude zu erleben!
Kommt an mein Herz, du, Julius, und du,
Geliebte Tochter; denn mit HerzenswonneNenn' ich dich so, und kann den theuren NahmenNicht sparen, bis der Kirche Segen euchVor aller Welt verbindet. Liebes Kind,
Wie lange liebt' ich dich, und hätte gernDes frich verlornen Vaters Stelle dir »
Ersetzt, doch hofft' ich nicht die Freude; ja,
Zu viel, zu groß ist sie! Jst's möglich denn,
Jst's wirklich? Willst du meinem JuliusDie Hand zum ew'gen Bunde reichen, willstIhm Gattinn seyn, und dieses Lebens GlückUnd Unglück mit ihm theilen?" — Da umschlangDer Jungfrau Arm des Greises Nacken; dennDie Stimm' erlag den mächtigen Gefühlen.
Dann reicht« sie dem Bräutigam die Hand,
Erröthete und schwieg. Zur Mutter nun,
Der Tochter Hand zu werben» wandte sichDer Greis, doch freudig kam sie ihm zuvor:
„L> erster Freund des nie vergessinen Gatten,"
So sprach sie, „frage nicht; von ganzem Herzen