Der Herbstabend.
Bey ländlich frohem Mahle saß Erwin,
Der heitre Greis, in seiner Laube. KaumBemerkt' er, daß der Sonne letzter StrahlNicht mehr der Bäume Wipfel röthete.
Und thauend sich der Abend senkte; dennDen seligsten Genuß des Alters schmeckt'
Er heute, da sein Sohn, sein Julius,
Der letzte, den des strengen Schicksals MachtDes guten Vaters heißen Wünschen ließ,
Ihm die geliebte Braut, der künft'gen TageGefährtinn, zeigte, und mit ihr zugleichDes frommen Vaters Segen sich erbath.
Froh überraschet, sah der Greis den Sohn,
Am Arm die holde Jungfrau, nah',,. Schon langHatt' er mit inn'gem Wohlgefallen sieBemerkt, und seiner alten Gattinn oftGerühmt, wie sie, bey hoher Geistesbildung,
Der Wirthschaft kleine Sorgen nicht verachte.»Wohl," sprach er dann mit ungewissem Ton,
Als fürchte er, des Herzens liebsten WunschIn Worten auszusprechen, — »wohl säh' ichEs gern, wenn unser Julius, zurückVon seinen Reisen kehrend, ihr gefiel;
Doch der ist wild, und seiner Jugend KraftBeugt sich der Liebe sanften Fesseln nicht."
»Nein, Vater," gab ihm lächelnd dann zurückDie kluge Hausfrau, — »unser JuliusIst gut, und fühlend ist sein Herz! Laß nurErst im Gewühl der Welt sein rasches BlutVerrauchen; würde doch der beste MostVerderben, wenn der Gährung Brausen man»Mißdeutend sie, zur Unzeit unterbräche.
Von selbst geht endlich aus empörtem SchaumDes klaren Weines milder Geist hervor.
So auch der Mensch! O glaub' mir, die NaturGeht ihren sichern Schritt, und was ihr spätAls tiefe Weisheit lehret, schöpft das Weib,
Des Fundes unbewußt» am reinen Quell."