Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
345
Einzelbild herunterladen
 

Sie fochten mit Schwert und Spieß und Pfeil,Und sind zur Wette gerannt.

Sie zwang die Freyer doch alleweil,

Die Starke von Jsenland.

Wohl trug sie die Rose an ihrer Brust,

Wohl blühte die Rose roth,

Doch keiner hatte zur Rose mehr Lust,

Der Sold der Minne war Tod.

Da höhnten die stolzen Normannen sehr:

»Ihr Helden vom Süden und Rhein,

Die Rosen bey uns begehrt ihr nicht mehr.

Die müssen zu stachlicht wohl seyn."

Als König Günther es aber vernahm,

So eilt' er gen Jsenland,

Ob der höhnischen Worte in Zorn und Scham,

Und für's schöne Weib entbrannt.

Und er siegte mit Schwert und Spieß und Pfeil,Und als sie zur Wette gerannt,

Die schöne Rose ward ihm zu Theil,

Und er brachte sie in sein Land.

Und Günther sprach und thäte sich freu'n:

»Ihr Helden von Island und Nord,

Nun blühen eure Rosen am Rhein,

Da hohlt ihr sie nimmer uns fort."

Und auf einer grünen Aue im RheinThät Brunhild 'neu Garten bau'».

Den pflanzte sie selbst mit Rosen und May'n,

Und dem blühenden Elzbeerbaum.

Den pflanzte sie selbst und nahm ihn in Acht,Und den Rosengarten ihn nannt',

Weil sie an ihre Rose gedacht.

Und als Günther sie überwand.