3.9
Und kam am sechsten heißen TagZum grünen Apfelbaum,
Wo tief verscharrt die Schwester lagIm engen Grabesraum.
Er stieg herab vom müden Roß,
Zu kühlen seine Gluth;
Da thät sich auf ein Nelkenschooß,
Schneeweiß, besprengt mit Blut.
«Bist du gewürgter Unschuld Bild?
Ist Unthat hier gescheh'n?"--
Vorüber zittert Gunihild,
Und winkt, und scheint zu fieh'n.
Der Ritter lag drey Nächte langIm Wald mit wildem Schmerz;
Beym dritten Morgenröthen drangSein Dolch in Elrichs Herz.
Fr. Kind.
Die wandelnde Glocke.
ES war ein Kind, das wollte nieZur Kirche sich bequemen.
Und Sonntags fand es stets ein Wie,
Den Weg in's Feld zu nehmen.
Die Mutter sprach: Die Glocke tönt.
Und so ist dir's befohlen,
Und hast du dich nicht hingewöhnt.
Sie kommt, und wird dich hohlen.
Das Kind, es denkt, die Glocke hängt.
Da droben auf dem Stuhle.
Schon hat's den Weg in's Feld gelenkt.
Als lief es aus der Schule.
Die Glocke Glocke tönt nicht mehr.
Die Mutter hat gefackelt.
Doch welch ein Schrecken hinterher —
Die Glocke kommt gewackelt!