Da blickt der Greis zum Himmel auf:„Bald schallen nun die Schreckenstöne,„Zu enden Eines Sohnes Lauf!
„Wer darf auf Menschen bauen?„Nur Gott will ich vertrauen.„Das Leben schuf uns Gott —„Und schuf uns auch den Tod!"
Doch wie er auf zum Himmel blickt,Naht ihm, vom Ritter abgeschickt.
Ein Knappe; dem erschallt's vom Munde:„Erfahr', v Greis, die höchste Noth!„Der Ritter will zu dieser Stunde„Erblicken deines Söhnleins Tod!
„Eh' zehn Minuten fliehen„Mußt du die Glocke ziehen!"Verzweifelnd spricht kein WortDer Greis — und eilet fort.
Er klettert auf, den Thurm entlang.
Schon schwebt die Glocke hoch am Strang.
Er ziehet rasch, er ziehet wild;
Dumpf schallt die Glocke durchs Gefild.
Sie stöhnet gräßlich, schwer und bang —
Und alle fasset ein wüthender Drang.
Er aber steht, ein Geist der Nacht,
Hoch oben, und Verzweiflung erwachtTief unter ihm in der Erde Tiefen,
Daß aussteh'n die Lohten, die lange schliefen,Und, von den schrecklichen Klängen verletzt,Der Himmel verdunkelnd sich entsetzt!
Es ächzet, der Greis, er müht sich hart,
Es weht in dem Winde der graue Bart,
Und durch die Wolken dringenSein Bitten und sein Singen:
„Rase, Glocke, rase,
„Rase von dem Thurm!
„Rase, Glocke, rase,
„Heule durch den Sturm!