Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
275
Einzelbild herunterladen
 

275

Drum laß uns schmausen, laß uns trinken.Denn Wein und Wildpret schmeckt uns noch.Dann, wenn wir an ein Mauseloch,

Um Zähne zu begraben, hinken:

Dann ist's zu spät! dann wird kein WeinDen längst gestorbnen Witz erwecken,

Das Auge nicht beredt mehr seyn.

Geheime Wünsche zu entdecken,

Und ach! das Ohr der Harfe Klang,

So wie Amaliens Gesang,

Vergebens sich entgegen strecken.

Ja sreplich! könnten mit der Zeit,

Wenn wir nicht schmausen, bis wir sterben.

Die Jungen eine Kleinigkeit

Mehr , als sie finden werden, erben;

Doch, weißt du, find sie sonst gescheid.

Was sie natürlich sagen würden?

Mein Vater trug des Lebens BürdenJahr aus, Jahr ein, und starb zuletzt.

Er hat ein Grab damit erworben,

Das find' ich auch, bin ich gestorben:

Ist's drum nicht klüger, erst ergeht?

L. F. G. Gökingk.

An seinen Bedienten.

Endlich muß ich doch es einmahl sagen,Was ich länger nicht verschweigen kann.Treuer Heinrich! Von den guten Tagen,

Die du hattest, nah't der letzt' heran!Täglich, siehst du, wachsen meine Jungen,Und die Zahl von ihren Forderungen,

Aber, Heinrich, meine Renten nicht.

Kahl gebürstet hast du meine Kleider,

Und mein Hut, du weißt es selber, bricht.Dennoch, wie so oft du auch den SchneiderRufest, riefst du doch für mich ihn nicht.Aber, wenn ich in dem alten RockeSo da steh' an dem Renettenbaum,

Und die Jungen kommen aus dem Stocke,

S 2