65
s) Ihre Plastik oder Objeetivität. „Es ist be-kannt," sagt er, „selbst in bildlichen Ausdrücken, und sehrcharakteristisch, wie in den griechischen Gedichten alle Gestal-ten wie gehende Dadalus -Statuen, voll Körper und Bewe-gung auf der Erde erscheinen, indeß neuere Formen mehr imHimmel wie Wolken stießen, deren große, aber wogende Um-risse sich in jeder zweyten Phantasie willkührlich gestalten."
t>) Das Ideale, oder das Schone, einer Mischungaus ihrer Helden- und Götterlehre, und aus deren Mutter,der harmonischen Mitte aller Kräfte und Lagen. „Jeder Ge-nuß, bemerkt Richter, hatte auf dem Olymp seinen Ver-klarungs - Tabor gefunden."
a) Heitere Ruhe. „Poesie, sagt Richter, soll,wie sie auch in Spanien sonst hieß, die fröhliche Wissenschaftseyn, und wie ein Tod zu Göttern und Seligen machen. Auspoetischen Wunden soll nur Ichor fließen, und, wie die Per-lenmuschel, muß sie jedes ins Leben geworfene scharfe oderrohe Sandkorn mit Perlenmaterie überziehen. Ihre Welt mußeben die beste sey», worin jeder Schmerz sich in eine größereFreude auflöset und wo wir Menschen auf Bergen gleichen,um welche das, was unten im wirklichen Leben mit schwerenTropfen auffällt, oben nur als Staubregen spielet, daher istein jedes Gedicht unpoetisch, wie eine Musik unrichtig, diemit Dissonanzen schließet. Wie drückt nun der Grieche dieFreude in seiner Dichtkunst aus? Wie an seinen Götterbildern:durch Ruhe. Wie diese hohen Gestalten vor der Welt ruhenund schauen: so muß der Dichter und sein Zuhörer vor ihr ste-hen, selig-unverändert vor der Veränderlichkeit. Es muß einehöhere Wonne geben als die Pein der Lust, als das warmeweinende Gewitter der Entzückung. Wenn der Unendliche sichcwig freuet und ewig ruht, so wie es am Ende, es mögennoch so viele ziehende Sonnen um gezogene Sonnen gehen,«ine größte geben muß, welche allein still steht: so ist diehöchste Seligkeit, das heißt, das, wornach wir streben, nichtwieder ein Streben; nur im Tartarus wird ewig das Rad ge-