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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
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Nur daß die Furcht vor etwas nach dem Tode

Das »»entdeckte Land, von deß BezirkKein Wandrer wiederkehrt den Willen irrt,

Daß wir die Übel, die wir dulden, lieberErtrage», als zu unbekannten flieh'n.

Zu Feigen macht uns alle das Gewissen:

Der angebornen Farbe der EntschließungWird des Gedankens Bläffe angckränkelt,

Und Unternehmungen voll Mark und Nachdruck»

Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt.

Verlieren so der Handlung Nahmen.

An diesen Beyspielen zeigt Jenisch nun praktisch den vor-hin theoretisch entwickelten Unterschied der alten oder naiven,und der sentimentalen oder neuern Dichtungsweise, durch fol-gende Betrachtung:

Einerley Situation des griechischen Helden und des dä-nischen Prinzen! aber wie durchaus verschieden von dem altenund dem neuen Dichter behandelt! Doch jeder seinem Zeitgeistgemäß. Philosophie, Religion und Moral, auf die herrschendeLeidenschaft (Lebensüberdruß) angewandt, sind die be-stimmenden Principe des Hamlet'schen Selbstgesprächs: dieseswürde, ohne jene beyde, gar nicht existiren. Leidenschaft,einzig Leidenschaft, herrscht von Anfang bis zu Ende in demSelbstgespräch des Griechen. Nur weil Hamlet in seinem Le-ben über Menschenschicksal, über Tod und Zustand nach demTode vielseitig nachgedacht oder vielmehr gegrübelt hat, wen-det er die Resultate seines Nachdenkens aus seine gegenwärtigeLage an, und regelt dann auch, wie wir sehen, seinen Ent-schluß nach diesen Resultaten: er entsagt dem Selbstmorde,bloß, weil der Zustand jenseits des Grabes so zweifelhaft ist.Eine Art von Ingrimm äußert er gegen sich selbst, daß dieIdee die Oberhand über die Leidenschaft behaupten soll:

Zu Feigen macht uns alle das Gewissen! "

Aber genug: die Idee siegt bep ihm über die Leiden-schaft: der Selbstmord unterbleibt."