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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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§- 9 -

Nähere Entwicklung der einzelnen Charakter-züge/ welche den Unterschied der alcen undder neuern Dichtkunst begründen.

Noch viel klarer wird Schiller's Ansicht, wenn wir inKürze noch Horen, wie Jenisch *) hiernach die einzelnenCharaklerzüge entwickelt, welche den Unterschied der alten(naiven) und der neuern (sentimentalen) Dichtungsweise be-gründen. Er zeigt dieses zuerst dem Inhalte nach, dannder Form nach.

Dein Inha,lte nach charakterisirt er die Verschiedenheitbeyder Dichtungsmeisen in Kürze also:

I. Die Alten schildern eine rüstige, kraft- und muthvolleMenschheit; die Neuern eine milde und zartere.

II. Die Alten schildern den Menschen in sehr einfachenCultur-Verhältniffen, die Neuern in höchst verwickelten.

III. Die Alten beschränken sich auf einen gewissen Kreisvon Charakteren, tragischen Geschichten und Situationen:die Mannigfaltigkeit der neuern Darstellung ist gränzenlos.

Aus dem Charakterzug I. leitet Jenisch folgende Eigen-thümlichkeiten beyder Dichtungsweisen ab:

a) Die Alten sind vorzüglich in Darstellungen der Männ-lichkeit, die Neuern in Darstellung der Weiblichkeit.

b) Die Gemüthsstimmung der alcen Dichter ist mehr he-roisch , die der neuern mehr elegisch.

c) Die Alten äußern überall wenig Empfindsamkeit fürdie Schönheiten, besonders der leblosen Natur: die Neuernsind enthusiastische Bewunderer der Naturschönheiten.

Aus dem Charakterzug II. folgende Eigenthümlichkeitender Neuern:

a) Erhöhte Schwierigkeit der Darstellung.

*) Siehe dessen Vorlesungen über die Meisterwerke der griechi-schen Poesie-