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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
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Unterschied zwischen demjenigen zu machen, war durch sichselbst, und dem, was durch die Kunst und durch den mensch-lichen Willen ist. Die Natur scheint mehr seinen Verstand undseine Wißbegierde, als sein moralisches Gefühl zu intereffiren;er hängt nicht mit Innigkeit, mit Empfindsamkeit, mit süßerWehmuth an derselben, wie wir Neuern. Ja, indem er siein ihren einzelnen Erscheinungen personificirt und vergöttert,und ihre Wirkungen als Handlungen frcyer Wesen darstellt,hebt er die ruhige Rothwendigkeit in ihr auf, durch welche siefür uns gerade so anziehend ist. Seine ungeduldige Phantasieführt ihn über sie hinweg zum Drama des menschlichen Lebens.Nur das Lebendige und Freye, nur Charaktere, Handlungen,Schicksale und Sitten befriedigen ihn, und wenn wir in ge-wissen moralischen Stimmungen des Gemüths wünschen können,den Vorzug unserer Willensfreyheit, der uns so vielem Streitmit uns selbst, so vielen Unruhen und Verirrungen aussetzt,gegen die wahllose aber ruhige Nothwendigkeit des Vernunft-losen hinzugeben, so ist, gerade umgekehrt, die Phantasiedes Griechen geschäftig, die menschliche Natur schon in der un-beseelten Welt anzufangen, und da, wo eine blinde Noth-wendigkeit herrscht, dem Willen Einfluß zu geben."

Woher wohl dieser verschiedene Geist? Wie kommt es,daß wir, die in Allem, was Natur ist, von den Alten so un-endlich weit übertroffen werden, gerade hier der Natur in ei-nem hoher» Grade huldigen, mit Innigkeit an ihr hangen, undselbst die leblose Welt mit der wärmsten Empfindung umfassenkönnen? Daher kommt es, weil die Natur bey uns aus derMenschheit verschwunden ist, und wir sie nur außerhalb dieser,in der unbeseelten Welt, in ihrer Wahrheit wieder antreffen.Nicht unsere größere Naturmäß igkeit, ganz im Gegen-theil der N a turwi d r i g k e i t unsrer Verhältnisse, Zuständeund Sitten, treibt uns an, dem erwachenden Triebe nach Wahr-heit und Simplieität, der, wie die moralische Anlage, auswelcher er fließt, unbestechlich und unaustilgbar in allen mensch-lichen Herzen liegt, in der physischen Welt eine Befriedigung