7 »
unzertrennlich und mit vereinter Kraft wirken: Natur undKunst.
Die erstere gibt ihm das poetische Naturell, dessenHauptbestandtheile Einbildungskraft, Beweglichkeit und Tiefedes Gemürhs sind. Nur dadurch wird er der Begeisterungfähig. Man kann ein poetischer Mensch, und doch kein Dichterseyn; der Dichter aber muß stets auch ein poetischer Menschseyn. Auch das glücklichste angeborne Talent kann die höhereKunstbildung nicht entbehren. Mit ihr sind nothwendigverbunden Fleiß und Übung. Die größten Dichter allerNationen waren in ihren Kunststudien unermüdet eifrig.
§. 6 .
Die künstlerische Begeisterung.
Der Dichter schafft seine Kunstwerke, so wie jeder Künst-ler überhaupt, im Zustande der Begeisterung.
Dieser Zustand entsteht, wenn die Einbildungskraft unddas Gcmürh des Dichters entweder von äußern Gegenständen,oder von Ideen und Bildern so mächtig ergriffen und aut'geregtwerden, daß er zur D a rste l l ung dessen, was ihn erfüllt,das ist, zur Hervorbringung eines Kunstwerkes, schreitet.
Die echte Begeisterung ist daher ein Drang der energisch,aber zugleich auch harmonisch aufgeregten Gemülhskräfte zurGestaltung des Idealen, folglich unerläßlich nothwendig zurHervorbringung eines Kunstwerkes, aber auch höchst verschie-den von der convulsivischen, oder durch künstliche Mittelerzwungenen After-Begeisterung.
Bey der Schöpfung einer echten Begeisterung müssen sichdemnach folgende Bestandtheile in vollem Einklänge zusammenfinden:
a) Feste Richtung des Geistes und des Gemüths auf ei-nen bestimmten, den Künstler ergreifenden Gegenstand.
k>) Eine, die Bearbeitung des ganzen Stoffes leitendeHaupt-Idee.