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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
69
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g) Sie muß durchaus anschaulich und gemüthlich

fty".

K) Sie ordnet und regelt ihre Gedanken nicht nach denGesetzen der logischen Jdeenverbindung.

c) Sie vermeidet alles Allgemeine und Abstracte, undstrebt nach lebendiger Jndividualisirung. So z. B. idealisirtder lyrische Dichter die ihn ergreifende individuelle Stim-mung, und die Reflexionen, welche etwa in der Oden-Digres-sion folgen, müssen unmittelbar aus jener Individualität her-vorgehen, wenn sie nicht kalt lassen sollen. Der dramatischeDichter würde Zweck und Wirkung verfehlen, wenn er z. B.irgend einen Bosewicht überhaupt zeichnen wollte, ohne ihndurch individuelle Züge zu versinnlichen.

cl) Das Darstellungsmittel der Poesie ist die Sprache,also eine Folge von Worten. Hieraus ergibt sich, daß derGegenstand ih-rer eigentlichen Darstellung nicht das Sichtbareund im Raum Coexistirende seyn kann, sondern das in derZeitfolge erscheinende Leben. Succeffive Schilderung vonetwas Sichtbar-Coezistirendem kann immer nur eine sehr schwa-che, oder auch gar keine Wirkung thun.

e) Findet der Dichter es dennoch bisweilen nothwendigoder angenehm, einen sichtbaren Gegenstand zu beschreiben, sowird er sich dabey am besten der zwey folgenden Mittel bedie-nen: er wird nahmlich nur eines oder das andere wichtigsteMerkmahl herausheben, um durch das vorzüglich Charak-terisirende den Gegenstand sogleich treffend und anschau-lich zu bezeichnen; oder er zeigt den Gegenstand durch die Be-schreibung wie vor unfern Augen entstehend, letzteres z. B. beyeinem Gemählde des Morgens, einer eintretenden Jahrs-zeit u. s. w.

§. 5 .

Der Dichter.

Für den echten Dichter müssen allerdings zwey Mächte