und in einander fließe. Vorzüglich hat er in dieser Hinsichtbey Anwendung gerader Linien die größte Umsicht aufzu-biethen.
63 .
Die Farbe gibt nicht nur der Zeichnung größere Deutlich-keit und höheren Reiz, sondern belebt und beseelet auch dasGanze. Das Colorit ist daher ein eben so wesentlicher Theil derKunst, als die Zeichnung. Das Hauptgesetz für das Colorit istHarmonie der Farben. In jedem Gemahlde muß eine Mannig-faltigkeit der Farben zur Einheit zusammen stimmen. Einfarbig-keit erweckt Ekel, widerstreitende Farben begründen Mißfallen.
89.
Jedes Gemahlde soll eine Hauptfarbe haben, durch wel-che der Glanz der Farben im Allgemeinen gemildert, unddie Starke des Lichtes zu einem gewissen Grade herabgestimmtwird. Der Grad der Starke der Farben heißt der Farbenton.Durch einen gemeinsamen Farbenton wird erzielt, daß ineinem Gemahlde keine Farbe einzeln hervor sticht, und unge-achtet der Mannigfaltigkeit der Farben eine Totalität des Ein-druckes erfolgt. Der Farbenton muß dem Charakter des darzu-stellenden Gegenstandes entsprechen.
90.
Jeder Gegenstand hat zwar eine eigenthumliche Farbe;doch diese unterliegt mannigfaltigen Modificationen nach denMedien, durch welche der Gegenstand betrachtet wird, undnach der größeren oder geringeren Entfernung desselben vomAuge. Dadurch ergibt sich die Localfarbe, welche der Mahlerum so mehr berücksichtigen muß, da er Gegenstände in ver-schiedenen Graden der Entfernung darzustellen hat.
9 '-
Bey Gruppen von mehreren Gegenständen, deren jedereine verschiedene Farbe hat, werden die Farben der einzelnen