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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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hängt größten Theils von der Zeichnung ab. Die Zeichnungmuß richtig seyn, die Verhältnisse der Theile müssen genaubeobachtet werden; das Auge darf kein Mißverhältniß ent-decken. Da die Zeichnung nur eine Ansicht von der Form desGegenstandes zu geben vermag, die Form aber nach den ver-schiedenen Gesichtspunkten, aus welchen ein Gegenstand er-scheint, verschiedenen Modificarionen unterliegen kann, so hatder Künstler die Gesichtspuncte wohl zu beachten.

65 .

Da jedes Kunstwerk ein untheilbares Ganzes ausmachenmuß, so wird ein Gleichgewicht der einzelnen Theile erfordert,zu Folge dessen kein Theil mehr ausdrückt, als das Ganze,und jeder Theil zum Ausdrucke dieses auf eine entsprechendeWeise im Einklänge mit den übrigen hinwirkt. In dieserÜbereinstimmung der Theile besteht die Harmonie, derenBeobachtung in der Zeichnung dem Künstler ein Hauptgesetzseyn muß.

66 .

Soll die Zeichnung Ausdruck des Großen seyn, so ist inderselben nach einer edlen Einfachheit zu streben, welche dannerzielet wird, wenn nur das Wesentliche und Hauptsächlicheheransgehoben, und mit der größten Richtigkeit und Kraftdargestellt, das Außerwesentliche aber nur angedeutet wird.Würde das Wesentliche* und das Zufällige mit gleicher Sorg-falt behandelt und herausgehoben, so müßte Charakterlosigkeiteinrreten.

67.

Die Mahlerey ist nur für den Sinn des Gesichtes bil-dende Kunst; daher muß der Mahler in der Zeichnung sicheiner besonderen Wohlgefälligkeit befleißen, und alles vermei-den, was einen unangenehmen Eindruck auf das Auge macht.Daher muß er in den Umrissen das Harte und Eckige beseiti-gen, und die größte Sorgfalt aufbiethen, daß alles sich runde