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Gegenstände stets in einander spielen, und es werden verschie-dene Schattirungen entstehen, indem ein Gegenstand seineFarbe auf den benachbarten wirft. Diese Schattirung heißtreflectirte Farbe. Doch nur der Gegenstand, welcher eine hel-lere, glänzendere Farbe hat, wird auf den benachbarten Ge-genstand seine Farbe werfen, während er selbst von diesemkeinen Abglanz annimmt. Der Mahler hat auf diesen Wider-schein der Farben ebenfalls gehörig Rücksicht zu nehmen.
92.
Die Mahlerey kann die Gegenstände nicht so darstellen,wie sie wirklich sind; sie gibt nur den Schein des Körperlichen,doch auf eine Weise, daß der Schein von der Wirklichkeit nichtzu unterscheiden ist, indem in Gemählden die Dinge so schei-nen, wie sie wirklich sind. Dieser Schein wird erreicht durchdaS Helldunkel, eine Mischung von Licht und Schatten, vonHellen und dunklen Farben, welche einander wechselweise erhö-hen oder mäßigen. Aus diesem Helldunkel ergibt sich der Scheinvon Erhabenheit und Vertiefung, der Schein des Körperlichenauf Flächen, und jeder mögliche Effect des Lichtes. Das Hell-dunkel kann aber nicht bloß zur Erzielung der Wahrheit, son-dern auch a» und für sich behandelt werden.
93 .
Die Darstellung des Schönen in der Mahlerey wird daherdurch Zeichnung, Colorit, und Helldunkel bewirkt; doch fin-den sich diese in den einzelnen Werken der Mahler nicht immerin gleicher Vortrefflichkeit. Aus dieser Rücksicht werden dieWerke der Mahlerey in Elasten geordnet, welche man Mahler-schulen nennt. Diese sind: die römische Schule, ausgezeichnetdurch Schönheit der Formen. Raphael Sanzio wird alsder vorzüglichste Meister derselben verehrt; die venetianischeSchule, hervorragend durch Wahrheit der Farben, worinTizian Vecellio ewig unübertroffen bleiben dürfte; die lombar-dische Schule, hochberühmt wegen des Helldunkels, welches