Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

29

Erhabene, gemischte Empfindungen; doch ist das Vergnügenam Tragischen von einer sehr erhebenden Natur, indem esdurch die Nacht der Leiden den Morgenschimmer des Frie-dens zeigt.

46..

Eine weitere Hauptart des Schonen ist das Anmuthige,welches vorzugsweise den Forderungen der sinnlichen Naturentspricht. Die verschiedenen Gattungen des Anmurhigschönensind das Niedliche, das Sanfte, und die Grazie im engerenSinne.

47 -

Das Niedliche, oder das Schone im Kleinen, hat denCharakter des Kindlichen, und erfordert eine besondere Zart-heit und Ebenmäßigkeit der Theile, und eine besondere Rein-heit der ganzen Zusammenstellung. Allein stehend, bezeichneter die unterste Stufe der Kunst und verräth einen überver-feinerten Geschmack; doch in Verbindung mit anderen Schön-heiten kann es an Werth gewinnen. Fehler dagegen find dasKindische und Läppische.

48.

Das Sanftschöne hat den Charakter der Ruhe bey all-mähliger Entwickelung der Lheilvorstellungen, durch derengleichmäßiges Fortschreiten es dauernd angenehm wirkt. Es istin der Poesie, in der Tonkunst und in der Mahlerey vorzugs-weise von Wirkung, und daher auch vorzüglich in den Pro-ducten dieser Künste zu treffen.

49.

Grazie ist der Ausdruck einer schönen Seele durch leichte,zwanglose Bewegung. Auch einem ruhenden Gegenstände er-kennen wir Grazie zu, in so fern der Künstler durch die Wahleines bedeutsamen Moments auf eine vorhergegangene innere