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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
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So

Bewegung hinzuweise» versteht. Man unterscheidet zwey Arte»von Grazie, die griechische und die christliche. Beyden sindUnschuld und Scham als Charakterzüge gemein; doch leuchtetaus der griechischen das Streben zu gefallen hervor; indessendie christliche, zur Holdseligkeit gesteigert, Beschäftigung mithimmlischen Dingen zeigt. »

50.

Fehler gegen das Anmuthigschöne sind: das Uppige, nahm-lich die Überladung mit sinnlich reizenden, und allzu sehr ver-einzelten Zügen; das Unbehülfliche, Mangel an leichter Be-weglichkeit und Gewandtheit; das Weichliche, eine bis zurKraftlosigkeit verzärtelte Empfindlichkeit; das Schlüpfrige,allzu große Rücksicht für die sinnliche Natur auf Kosten dersittlichen; das Abgeschmackte, aus Empfindeley und mißlun-genem Scherze; und das Kleinliche, das Aufbiethen der klein-sten unbedeutendsten Züge für die Darstellung.

51.

Ein Gegensatz des Erhabenen ist das Lächerliche, welchesdie Idee des unendlich Kleinen erwecket, während das Erha-bene die Idee des unendlich Großen erzeuget. Lächerlich ist,was Widersprüche in sich offenbaret; wir strengen uns an, dieWidersprüche zu fassen, und indem wir sie als solche erfassen,geht die Anstrengung in Abspannung über, wobep das äußer-liche Lachen eintritt. Doch nicht alles, was einen Widerspruchin sich enthält, ist lächerlich. Große Verirrungen des Verstan-des und Herzens, und alles, was auf ernsthafte Gedankenleitet, oder ernsthafte Folgen haben kann, werden nimmer-mehr Lachen erzeugen. Das Widersprechende setzt ferner, umlächerlich zu seyn, Zurechnungsfähigkeit voraus. In vollerStärke erscheint das Lächerliche im Leben, wenn Absicht undMittel, Zweck und Handlung in offenbarem Widerspruche zueinander stehen. Eine Hauptbedingung des Lächerlichen ist, daßder Widerspruch sinnlich und überraschend sey.