komponiert. Hier will ein Werk (das ich mir als ein sehr‘deutsches’ Produkt, als Oratorium, mit Orchester, Chö-ren, Soli, einem Erzähler denke) mit einiger Suggestiv-kraft imaginiert, realisiert, gekennzeichnet sein, und ichschreibe diesen Brief eigentlich, um bei der Sache zu blei-ben, an die ich mich noch nicht recht herantraue. Wasich brauche, sind ein paar charakterisierende, realisieren-de Einzel-Genauigkeiten (man kommt mit wenigen aus),die dem Leser ein plausibles, ja überzeugendes Bild ge-ben. Wollen Sie mit mir darüber nachdenken, wie dasWerk — ich meine Leverkühns Werk — ungefähr insWerk zu setzen wäre; wie Sie es machen würden, wennSie im Pakt mit dem Teufel wären; mir ein oder das an-dere musikalische Merkmal zur Förderung der Illusionan die Hand geben ? — Mir schwebt etwas Satanisch-Re-ligiöses, Dämonisch-Frommes, zugleich streng Gebun-denes und verbrecherisch Wirkendes, oft die Kunst Ver-höhnendes vor, auch etwas aufs Primitiv-ElementareZurückgehendes (die Kretzschmar-Beißel-Erinnerung),die Takteinteilung, ja die Tonordnung Aufgebendes(Posaunen-Glissandi); ferner etwas praktisch kaum Exe-kutierbares: alteKirchentonarten, A-cappella-Chöre,die inuntemperierter Stimmung gesungen werden müssen, sodaß kaum ein Ton oder Intervall auf dem Klavier über-haupt vorkommt — etc. Aber ‘etc.’ ist leicht gesagt...»
Dies, mit den Chören in untemperierter Stimmung,war eine närrisch fixe Idee von mir, an der ich lange hart-näckig festhielt, obgleich der Angerufene nichts davonwissen wollte. Ich war so verliebt in die Vorstellung, daßich sogar hinter Adornos Rücken Schönberg darüber zuRate zog, der mir antwortete: «Ich würde es nicht ma-
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