ihre bei, die Freude niederzuhalten. Genugtuung liegt imphysischen Überleben. Nach dem Falle Frankreichs vorfünf Jahren ließ Goebbels meinen Tod melden. Er konntees sich nicht anders denken. Und hätte ich Hitlers Falsch-sieg ernst, hätte ich ihn mir zu Herzen genommen, sowäre mir in Wahrheit nichts anderes übriggeblieben, alseinzugehen. Überleben hieß: siegen. Ich hatte gekämpftund den Lästerern der Menschheit Hohn und Fluch ge-boten, indem ich lebte: also ist es, auch persönlich, einSieg. Vollkommene Klarheit darüber, wem dieser Siegzu danken. Es ist Roosevelt.»
Ohne die eingewurzelte, auch zu dieser Zeit standhaftbewahrte Gewohnheit, die Vormittagsstunden zwischen9 und 12 oder halb i Uhr gegen alle Eindrücke von außenabzusperren, sie durchaus und grundsätzlich dem Allein-sein mit meiner Arbeit vorzubehalten, hätte ich es bei soviel äußerem Drange kaum über mich gebracht, an AdriansKomposition Keats’scher und Klopstock’scher Hymnen(im XXVII. Kapitel) fortzudichten, — nicht ohne ZutunAdornos, dessen Interesse an dem Buche wuchs, je mehrer davon erfuhr, und der anfing, seine musikalische Ein-bildungskraft dafür zu mobilisieren.
Die ersten direkten Nachrichten aus dem besetztenDeutschland langten nun an: Man erfuhr, wie viele Leutedenn doch dort, aller Gefahr zum Trotz, dem englischenSender und auch meinen Ansprachen begierig gelauschthatten. Klaus befand sich als Sonderberichterstatter von«Stars and Stripes» in München. Unser Haus, wieder-holt von Bomben getroffen, in den Umrissen erhalten,war im Inneren, das schon vorher manche Veränderungerfahren, gründlich zerstört. Wir wußten, daß es unter