zu tun, wie man sie bei Goethe, diesem Talleyrand derKunst, sehe. «Solche kritischen Raffinements im Schoßeder Poesie waren damals noch nicht aufgekommen.» —Der Kritiker ist gegen die «kritischen Raffinements». ImGrunde ist wohl einfach der Historiker gegen die Moder-nität. Was aber den «Talleyrand» in Goethe betrifft, so hatauch Byron ihn einen «alten Fuchs» genannt, und zwar
anläßlich der «Wahlverwandtschaften».-In einem
Schweizer Blatt las ich über den französischen DichterSt. John-Perse und notierte sein Urteil über Voltaires«Karl XII.»: «Außerordentlich, aber nicht groß.» Einebemerkenswerte Unterscheidung!... Jacob Burckhardtwar es, der über Voltaire gesagt hatte: «Bei ihm wird derRationalismus dichterisch, ja magisch.» — Den deutschenSchriftsteller möchte ich sehen, der diesen Satz aus derFeder brächte! Die Schweiz ist das Land, wo auf deutschdas wohltuend Undeutsche gesagt wird. Darum liebe ichsie. — Viel belehrte ich mich jetzt über Kierkegaard, son-derbarerweise bevor ich mich entschloß, ihn selbst zu le-sen. Adorno hatte mir seine bedeutende Arbeit über ihnzugestellt. Ich studierte sie zusammen mit dem glänzen-den Essay von Brandes. Eine Stelle bei Kierkegaard, dieich auszog, lautet: «Der Humorist stellt beständig die Got-tesvorstellung mit etwas anderem zusammen und bringtden Widerspruch hervor, aber verhält sich nicht selbst inreligiöser Leidenschaft (stricte sic dictus) zu Gott; er ver-wandelt sich selbst zu einer scherzenden und tiefsinnigenDurchgangsstelle für diesen ganzen Umsatz, aber verhältsich nicht selbst zu Gott.» — Sein Stil, wenigstens aufdeutsch, ist nicht gut. Aber wie neu und tief, diese Be-stimmung des Humors I Welche großartige Klugheit der
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