amplifizierenden Arbeit am Vortragskapitel, und AnfangOktober (ich war unterdessen wieder zu IX übergegan-gen) verbrachten wir einen Abend bei Adornos. Die Stim-mung war ernst. Franz Werfel hatte seinen ersten schwe-ren Herzanfall erlitten, von dem er sich nur mühsam zuerholen schien. Ich las drei Seiten über das Klavier, dieich kürzlich in mein bedenklich hypertrophierendes Ka-pitel eingeschaltet, und unser Gastgeber teilte einiges ausseinen Studien und Aphorismen über Beethoven mit, wo-bei ein gewisses Zitat aus des Musaeus Rübezahl eine Rollespielte. Das anschließende Gespräch ging über Humani-tät als das geläuterte Chthonische, über Verbindungenvon Beethoven zu Goethe, über das Humane als roman-tischen Widerspruch gegen Gesellschaft und Konvention(Rousseau) und als Auflehnung (die Prosaszene in GoethesFaust). Dann spielte mir Adorno, während ich zu-schauend bei ihm am Flügel stand, die Sonate opus invollständig und auf höchst instruktive Art. Ich war nieaufmerksamer gewesen, stand am nächsten Morgen frühauf und widmete drei Tage einer eingreifenden Um- undAusarbeitung des Sonatenvortrags, die eine bedeutendeBereicherung und Verschönerung des Kapitels, ja des Bu-ches selbst bedeutete. In die poetisierenden Wort-Unter-legungen, mit denen ich das Arietta-Thema in seiner ur-sprünglichen und seiner volleren Schluß-Gestalt versah,gravierte ich, als versteckte Dankbarkeitsdemonstration,denNamen«Wiesengrund»,AdornosVatersnamen,mitein.
Monate später, schon Anfang 1944, gelegentlich einesZusammenseins bei uns, las ich ihm und Max Horkhei-mer, seinem Freunde und Kollegen vom ((Institute forSocial Research», die ersten drei Kapitel des Romans und
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