Formel zu bringen gewesen: «Erst lieber noch etwas an-deres!» Das mögliche, beträchtlichen Aufschub bietendeAndere war die Aufarbeitung und Durchführung des vordem ersten Weltkriege liegengebliebenen Roman-Frag-ments 'Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull.
«K.» (das ist meine Frau) «erwähnt die Fortführungdes Krull, nach der Freunde öfters verlangt haben. Ganzfremd ist der Gedanke mir nicht, aber ich erachtete denPlan, der aus Zeiten stammt, wo das Künstler-Bürger-Problem dominierte, für verjährt und überholt durch denJoseph. Dennoch gestern abend beim Lesen und Musik-hören merkwürdig bewegte Annäherung an den Gedan-ken der Wiederaufnahme, hauptsächlich unter dem Ge-sichtspunkt der Lebenseinheit. Es hätte seinen Reiz, nachzweiunddreißig Jahren dort wieder anzuknüpfen, woich vor dem TodinVenedig aufgehört, zu dessen Gunstenich den Krull unterbrach. Alles Werk und Beiwerk seitdamals erwiese sich als Einschaltung, ein Menschenalterbeanspruchend, in das Unternehmen des Sechsunddrei-ßigjährigen. — Vorteil, auf einer alten Grundlage weiter-zubauen.»
Das alles heißt nur: «Lieber erst noch etwas anderes!»Und doch saß mir ein Stachel im Fleisch, der Stachel derNeugier nach dem Neuen, Gefährlichen. Es gab Ablen-kungen in den nächsten Tagen. Gelegenheitsarbeiten wa-ren abzutun, eine Sendung nach Deutschland, ein OffenerBrief an Alexej Tolstoi als Beitrag zu einem russisch-amerikanischen Austausch zu schreiben. Erschütterungbrachte der plötzliche Tod Heinrich Zimmers, des geist-vollen Indologen und Gatten der Christiane Hofmanns-thal, aus dessen großem Buch über den indischen Mythos