Druckschrift 
2 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
435
Einzelbild herunterladen
 

und schämte sich dessen ein wenig. Das Gefühl derBlamiertheit überwog in ihm jegliche andere Em-pfindung. Auch hatte die beständige Beschäftigungmit den eigenen Zuständen und Sonderbarkeiten ihnabgenutzt und stumpf gemacht. Hie und da richteteer sich auf, strich mit der Hand über seine kahleStirn und sagte mit gepreßter Stimme:Ja, esist furchtbar traurig!" Er sagte dies zu sich selbst,hielt es sich gewaltsam vor und nötigte seine Augen,ein wenig feucht zu werden. . .

Plötzlich geschah etwas, was Alle verstörte. Derkleine Johann geriet ins Lachen. Er war beimSchreiben auf einen Namen gestoßen, irgend einenkuriosen Klang, dem er nicht widerstehen konnte.Er wiederholte ihn, schnob durch die Nase, beugtesich vornüber, zitterte, schluchzte und konnte nichtan sich halten. Anfangs konnte man glauben, daßer weine; aber es war nicht an dem. Die Erwach-senen sahen ihn ungläubig und fassungslos an.Dann schickte seine Mutter ihn schlafen. . .

9 .

An einem Zahne. . . Senator Buddenbrookwar an einem Zahne gestorben, hieß es in der Stadt.Aber, zum Donnerwetter, daran starb man dochnicht! Er hatte Schmerzen gehabt, Herr Brechthatte ihm die Krone abgebrochen, und daraufhinwar er auf der Straße einfach umgefallen. Wardergleichen erhört? . . .