„Herr Doktor," sagte sie, „Lines steht in IhrerMacht, und darum bitte ich Sie! Schenken Siemir reinen Wein ein, thun Sie es! Ich bin einevom Leben gestählte Frau. . . Ich habe gelernt,die Wahrheit zu ertragen, glauben Sie mir! . . .Wird mein Bruder morgen am Leben sein? RedenSie offen!"
Und Doktor Langhals wandte seine schönen Augenab, besah seine Fingernägel und sprach von mensch-licher Ohnmacht, sowie von der Unmöglichkeit, dieFrage zu entscheiden, ob Frau Permaneders HerrBruder die Nacht überleben werde oder in der näch-sten Minute abberufen werden würde. . .
„Tann weiß ich, was ich zu thun habe," sagtesie, ging hinaus und schickte zu Pastor Prings-heim.
In halbem Ornat, ohne Halskrause aber in lan-gem Talar, erschien er, streifte Schwester Leandramit einem kalten Blick und ließ sich am Bette aufden Stuhl nieder, den man ihm zuschob. Er bat denKranken, ihn zu erkennen und ihm ein wenig Gehörzu schenken; da dieser Versuch aber fruchtlos blieb,so wandte er sich direkt an Gott, redete ihn in stili-siertem Fränkisch an und sprach zu ihm mit modu-lierender Stimme in bald dunklen, bald jäh accen-tuierten Lauten, indeß finsterer Fanatismus undmilde Verklärung auf seinem Gesichte wechselten...Während er das k auf eine eigenartig fette undgewandte Art am Gaumen rollte, gewann der kleineJohann die deutliche Vorstellung, das; er soeben