in dessen Mitte sie unwillkürlich stehen blieben, umdas Ende der Andacht zu erwarten; aber sie beeiltesich deswegen nicht sonderlich, ließ zum Schlüsse ihrtrockenes Räuspern ertönen, nahm mit langsamerFeierlichkeit ihr Kleid zusammen, erhob sich und gingihren Verwandten ohne eine Spur von Verwirrungin vollkommen würdiger Haltung entgegen.
„Thomas," sagte sie nicht ohne Härte, „was dieSeverin betrifft, so scheint es mir, daß die seligeMutter eine Natter an ihrem Busen genährt hat."
„Wieso?"
„Ich bin voll Ärger über sie. Man könnte dieFassung verlieren und sich vergessen. . . Hat diesWeib ein Recht, Einem den Schmerz dieser Tagein so ordinärer Weise zu vergällen?"
„Aber was ist es denn?"
„Erstens einmal ist sie von einer empörendenHabsucht. Sie geht an den Schrank, nimmt Muttersseidene Kleider heraus, packt sie über den Arm undwill sich zurückziehen. ,Rieckchen,' sage ich, ,wohindamit?' — ,Das hat Frau Konsul mir versprochen!'— ,Liebe Severin!' sage ich und gebe ihr in allerZurückhaltung das Voreilige ihrer Handlungsweisezu bedenken. Meinst du, daß es etwas nützt? Sienimmt nicht nur die seidenen Kleider, sie nimmt auchnoch ein Paket Wäsche und geht. Ich kann mich dochnicht mit ihr prügeln, nicht wahr? . . . Und nichtsie allein. . . auch die Mädchen. . . Waschkörbevoll Kleider und Leinenzeug werden aus dem Hausegeschafft. . . Tas Personal teilt sich unter meinen