Druckschrift 
2 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 

257

Nein!" sagte Doktor Grabow ebenso leise, abermit ungeheurer Autorität und legte sein langes,mildes Gesicht in entschiedene Falten. . .Dastäuscht, glauben Sie mir, liebster Freund, das täuscht!Das Bewußtsein ist sehr getrübt ... Es sind aller-größten Teiles Reflexbewegungen, was Sie da sehen. . . Glauben Sie mir . . ."

Und Thomas antwortete:Gott gebe es!"Aber jedes Kind hätte es an den Augen der Kon-sulin sehen können, daß sie ganz und gar bei Be-wußtsein war und Alles empfand . . .

Man nahm seine Plätze wieder ein. . . AuchKonsul Kröger war eingetrofsen und saß, über dieKrücke seines Stockes gebeugt, mit geröteten Augenam Bette.

Die Bewegungen der Kranken hatten zugenom-men. Eine schreckliche Unruhe, eine unsägliche Angstund Not, ein unentrinnbares Verlassenheits- undHülflosigkeitsgefühl ohne Grenzen mußte diesen, demTode ausgelieferten Körper vom Scheitel bis zurSohle erfüllen. Ihre Augen, diese armen, flehenden,wehklagenden und suchenden Augen schlossen sich beiden röchelnden Drehungen des Kopfes manchmal mitbrechendem Ausdruck oder erweiterten sich so sehr,daß die kleinen Adern des Augapfels blutrot hervor-traten. Und keine Ohnmacht kam!

Kurz nach drei Uhr sah man, wie Christian auf-stand.Ich kann es nun nicht mehr," sagte er undging, indem er sich auf die Möbelstücke stützte, diean seinem Wege standen, lahmend zur Thür hinaus.

Mann, Buddenbrooks. II. 17