Druckschrift 
2 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

251

wandte sich dann ab. Es war, als wollte sie sagen:Kinder, ihr seid Alle liebe Leute, aber ich ichmuß vielleicht sterben!" Die beiden Ärzte dagegenempfing sie mit lebhafter und interessierter Wärme,um eingehend mit ihnen zu konferieren. . .

Eines Tages erschienen die alten Damen Ger-hardt, die Nachkommen Paul Gerhardts. Sie kamenmit ihren Mantillen, ihren tellerartigen Hüten undihren Provianttaschen von Armenbesuchen, und mankonnte ihnen nicht verwehren, ihre kranke Freundinzu sehen. Man ließ sie allein mit ihr, und Gottallein weiß, was sie zu ihr sprachen, während sie anihrem Bette saßen. Als sie aber gingen, waren ihreAugen und Gesichtszüge noch klarer, noch milder undselig verschlossener, als vorher, und drinnen lag dieKonsulin mit ebensolchen Augen und ebensolchemGesichtsausdruck, lag ganz still, ganz friedlich, fried-licher als jemals, ihr Atem ging selten und sanft,und sie siel ersichtlich von Schwäche zu Schwäche.Frau Permaneder, die den Damen Gerhardt einstarkes Wort nachmurmelte, schickte sofort zu denÄrzten, und kaum erschienen die beiden Herren imRahmen der Thür, als eine vollständige, eine ver-blüffende Veränderung mit der Konsulin vor sichging. Sie erwachte, sie geriet in Bewegung, sie rich-tete sich beinahe auf. Der Anblick dieser Männer,dieser beiden notdürftig unterrichteten Mediziner gabsie mit einem Schlage der Erde wieder. Sie streckteihnen die Hände entgegen, beide Hände und fing an:

Seien Sie mir willkommen, meine Herren! Die