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2 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
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es, gute Mahlzeiten zu halten, sich vornehm undreich zu kleiden, das Unerfreuliche, was um sie herbestand oder geschah, zu übersehen, zu vertuschen undwohlgefällig an dem hohen Ansehen teilzunehmen,das ihr ältester Sohn sich weit und breit verschaffthatte. Diese Krankheit, diese Lungenentzündung warin ihren aufrechten Körper eingebrochen, ohne daßirgendwelche seelische Vorarbeit ihr das Zerstörungs-werk erleichtert hätte . . . jene Minierarbeit desLeidens, die uns langsam und unter Schmerzen demLeben selbst oder doch den Bedingungen entfremdet,unter denen wir es empfangen haben, und in unsdie süße Sehnsucht nach einem Ende, nach anderenBedingungen oder nach dem Frieden erweckt. . .Nein, die alte Konsulin fühlte wohl, daß sie trotz derchristlichen Lebensführung ihrer letzten Jahre nichteigentlich bereit war, zu sterben, und der unbestimmteGedanke, daß, sollte dies ihre letzte Krankheit sein,diese Krankheit ganz selbständig, in letzter Stundeund in gräßlicher Eile, mit Körperqualen ihren Wider-stand zerbrechen und die Selbstaufgabe herbeiführenmüsse, erfüllte sie mit Angst.

Sie betete viel; aber fast mehr noch überwachtesie, so oft sie bei Besinnung war, ihren Zustand,fühlte selbst ihren Puls, maß ihr Fieber, bekämpfteihren Husten. . . Der Puls aber ging schlecht, dasFieber stieg desto höher, nachdem es ein wenig ge-fallen war und warf sie aus Schüttelfrösten in hitzigeDelirien, der Husten, der mit inneren Schmerzenverbunden war und blutigen Auswurf zu Tage för-