keit vollkommen und beneide ihn. Ich darf sagen, daßich ihn auch ein wenig verachte, aber doch nicht so auf-richtig, als ich ihn beneide und bewundere. .
„Sie bewundern ihn?"
„Jawohl, Königliche Hoheit. Ich kann unmöglichumhin, das zu tun. Er gibt aus, er verschwendet, erläßt beständig in der unbekümmertsten und hochherzigstenWeise draufgehen — während es mein Teil ist, zu sparen,ängstlich und geizig zusammenzuhalten, und zwar aushygienischen Gründen. Denn die Hygiene ist es ja, wasmir und meinesgleichen in erster Linie nottut, — sie istunsere ganze Moral. Aber nichts ist unhygienischer, alsdas Leben ..."
„Sie werden also den Pokal des Großherzogs wohlniemals leeren, Herr Martini?"
„Wein daraus trinken? Nein, Königliche Hoheit.Obgleich es eine schöne Geste sein müßte. Aber ich trinkekeinen Wein. Auch gehe ich um zehn Uhr zu Bette undlebe in jeder Weise vorsichtig. Sonst hätte ich niemalsden Pokal gewonnen."
„Es muß wohl so sein, Herr Martini. Man machtsich aus der Ferne wohl unrichtige Vorstellungen von demLeben eines Dichters."
„Begreiflicherweise, Königliche Hoheit. Aber es ist imganzen kein sehr herrliches Leben, wie ich versichern kann,besonders da wir ja nicht zu jeder Stunde Dichter sind.Damit von Zeit zu Zeit so ein Gedicht zustandekomme,— wer glaubt wohl, wieviel Faulenzerei und Langeweileund grämlicher Müßiggang dazu nötig ist. Eine Post-karte an den Zigarrenlieferanten ist oft die Leistling eines