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deutschen Erbfehlers der Ausländerei,der Verachtung dessen, was der Heimatentstammt, und der Überschätzung derDinge, welche das Ausland bot und bietet,mögen sie an sich auch schön und ge-schmackvoll sein. Man denke hier an diebezeichnende Redensart: „Ach, das istnicht weit her!“ Glücklicherweise lebennoch viele seltenere altgermanische Ei-gennamen in heutigen Vornamen undmehr noch in Familiennamen fort, wennauch meist nur für das Auge des Gelehr-ten sichtbar. Wer z. B. den Familienna-men Kummer hört oder liest, wird dar-über staunen, daß er ursprünglich Kuni-bert lautet und bedeutet, daß jemand „vonglänzendem Geschlechte“ ist.
Was nun die Entstehung derFamiliennamen betrifft, so herrschtauch darüber unter den Kundigen keineeinheitliche Ansicht. Wäre jeder Deutschebei der guten alten deutschen Gewohn-heit geblieben, allein mit seiner Sippemöglichst getrennt von Nachbarn zu woh-nen, oder wäre das wenigstens nach dergeschichtlichen Entwickelung möglich ge-wesen, oder hätte jeder seinen eigenenNamen gehabt, so wäre auch kein Anlaßzur Entstehung der Familiennamen er-sichtlich gewesen. Allein die bereits er-wähnte Verkleinerung des Schatzes derauszuwählenden Namen und die ge-schichtliche Notwendigkeit für die Deut-schen, gedrängter zu wohnen, war dieVeranlassung zur Entstehung der Fami-liennamen. Daher gehört dieser Vorgangungefähr in dieselbe Zeit, in der die wich-tigsten Städte- (eigentlich zunächst nurBurgen-) gründungen (natürlich abge-sehen von den alten Römerstädten imRhein- und Donaugebiete) in Deutsch-land erfolgten, also etwa in die Zeitvon 1050—1250, ohne jedoch schon mitdem letzten Jahre abgeschlossen zusein; denn es kommen doch sogar heute
neue Familiennamen auf oder die Ände-rung solcher Namen häufig genug vor.Allgemeinen Eingang fanden die Fami-liennamen erst seit der Reformation (16.Jh.) Wohl alle ersten Familien-namensind auf „Beinamen“ („Z u-namen“, „Nachnamen“) zurück-zuführen. Am frühesten läßt sich die-ser Vorgang bei dem Dienstadel nachwei-sen, der sich nach seinem Sitze benannte;der häufiger werdende Dienst im kaiser-lichen Heere mag das wohl bewirkt ha-ben. Demnächst erst tauchen die Zuna-men bei den Hochfreien oder dem hohenAdel und bei den Altbürgern der Städteauf. Der Vorgang ist also etwa folgender:Auf einer Burg oder im Heerbanne desKaisers, in einer Stadt oder einem Dorfelebten zwei oder mehrere Männer desgleichen Eigennamens. Man wollte sie un-terscheiden. Da wählte der eine oder an-dere von ihnen sich selbst einen Beina-men als Unterscheidungszeichen; natür-lich wurde auch dem einen oder andernein solcher Zuname von seiner Umge-bung beigelegt. Dieser Beiname wurdedann in der Folge gewöhnlich zum Ge-schlechtsnamen (Familiennamen).
Die Art der Beinamen war na-türlich auch wieder sehr mannigfaltig.Das Nächstliegende war, daß ein Rit-ter, der einen Sitz sein Eigen nannte,danach seinen Beinamen wählte. So ent-standen Namen wie von Hansstein, vonSchroffenstein, von Hardenberg, vonHohenstaufen, von Hohenzollern u. a.Oder aber der Ritter wählte seinen Bei-namen nach dem Abzeichen, das erim Wappen (= Waffen, d. i. der Schildzur Abwehr) trug. So erklärt man Na-men wie von Adler, von Bär, von Falke,von Schwanenflügel u. s. w.
Eine 2. Hauptart der Beina-men (Familiennamen) ist ausmännlichen Eigennamen ent-