Druckschrift 
7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
573
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Italienische Sprache und Literatur 573

Republikanismus und antike Größe, hatten diese Männer geweckt und füllten ihr Denke»und Vorstellen ganz aus. Damals, als sich Italien republikanisch umformen ließ, hattensie mit ihren Hymnen, mit ihren tönenden Stichwortcn einen Sturm von Begeisterung er-wecken können; als bald darauf die Zeit des Drucks eintrat und die Jämmerlichkeit undWandelbarkeit der großen Menge mit Händen zu greifen war, zog sich Monti mit seinemPatriotismus in das Reich der Verse zurück, wo er, als ein König verehrt, seine Eitelkeithinlänglich befriedigt fand, während Foscolo um den Untergang des Vaterlandes und dergoldenen Frciheitshoffnungen im Auslande klagte und sich einsam strengen Studien hin-gab. Der von Monti gepredigten Anbetung des göttlichen Dante gab er eine neue, gedie-genere Wendung, indem er dem Verständnis des alten Dichters, durch Erwägung des sitt-lichen und patriotischen Elements in dessen Werken, für die Italiener einen noch unbetretc-nen Weg öffnete. Er hat, sagte man von ihm, die Kritik geadelt und die Philologie zu hö-herer Würde, zu politischer Bedeutung erhoben. Noch immer gilt in Italien Foscolo alsGesetzgeber auf dem Gebiete der ästhetischen Kritik. Merkwürdiger noch ist er durch denEifer für die Moralität, welchen er in Italien entzündete. Tiefe Ehrfurcht vor dem Na-men der Tugend, die in der franz. Epoche, welcher er seine Bildung verdankt, als Gottheitverehrt wurde, ist eins der bezeichnendsten Merkmale der Schule Foscoio's. Diese Tugend-religion pflanzte ihren Bekennern denTncb ein, die Menschen zu gewinnen, führte zu einerArt Mission; vorzüglich mußte man die Jugend für den Tugcndglauben hcranbilden unddas Wort Volkscrzichung wurde die Losung der Schule. Man schritt auch zur That, setzteneue Organisationen des Schulwesens durch, führte neue Methoden ein, wie die Bcll-Lan-castersche, gab belehrende Schriften über Erziehung, auch moralische Erzählungen und der-gleichen Kinderbücher heraus. Die jüngere romantische Schule machte in dieser Hinsichtmit der klassischen Monki's und Foscolo's gemeinsame Sache; besonders viele Mailänder,Biava, Cesarc Cantu, die Brüder Sacchi, Mich. Parma, in Toscana A.Majcr, in VenedigEins. Godemo, in Treviso Fapanni u. A. bemühten sich eifrig um das Erziehungswesen.

Die Generation der Restaurativnsepvche wurde in Italien wie in Deutschland frommund romantisch. Die neue Richtung verrieth sich zuerst durch eine Auflehnung gegen denRegelzwang der akademischen Dichtung, gegen die Verehrung des heidnischen Ältcrthums,gegen die Anwendung mythologischer Namen in der Poesie; man wollte christlich sein, ver-tiefte sich in die Mysterien der Religion; man spannte den Blick auf das Jenscit, dum hie-mcden meinte man nichts zu finden als Greuel, Miffcthat und Elend; man gefiel sich dar»üi, alles Schreckliche und Jammervolle, das je geschehen oder nur irgend möglich war, zu-sammeuzuhäufcn, in Bildern der Verruchtheit, des Elends und derVcrzweiflung zu schwel-gen; man sah Criminalgcschichten und Tollhausbegcbenheiten für die würdigsten Vor-würfe der Poesie an; man machte die Erde zu einem Ort der Schrecken, um sich desto brün-stiger nach dem Himmel sehnen zu können. Dieses Greuelstudium, das nur wenige Ver-treter zählt, wie Victorelli und Frugoni war bald durchlaufen und der ins Mittel-alter verliebte, thcils schwächliche, cmpfindelndc, weiche, Weiberhafte, thränenreiche, theilskriegerische, Waffen schwingende, Himmel stürmende und mit der Hölle spielende Roman-ticismus der jüngcrn Schule machte sich Bahn. Man fing jetzt an, seine Stoffe ausdem frühem Mittelalter, aus echt christlichen Zeiten zu wählen. Ein förmlicher Sturm aufdie Burgen des Classicismus begann. Bcrchet führte den Neigen und machte sich in derLyrik, im Drama und Epos bald eine starke Partei. Manzoni (s. d.) gab den Ausschlagdurch die Erfolge, welche er mit seinen Dichtungen erkämpfte. Die Niederlage der Classi-ker aus der franz. Schule, welche die antiken Stoffe und die drei Einheiten verthcidigten,war entschieden. Monti hatte noch 1816 in Verbindung mit Gius.A c erbi (s. d.), welcherdie Leitung übernahm, Scipio Breis la k (s. d.) und Pietro Giordani ein Organ für dieBehauptung der klassischen Grundsätze gegründet, diekiblioteca itaüana", welche in al-ler Weise die Behauptung durchzuführcn suchte, daß auch ohne politische Einheit, ja trotzaller Zersplitterung und Zerrissenheit, Italien im Geiste ein einziges Ganze sei oder seinmüsse und sich so fühlen lernen solle, vermöge und mittels dcrEinhcitscincrSprachc undsci-nerLireratur. Giordani ausPiacenza wurde als eine Stütze derPartei angesehen und hatte