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Italienische Sprache und Literatur
Noch starker zeigte sich die franz. Einwirkung in der Poesie. Die Dichter, welche man inder ersten Halste des Jahrhunderts noch als Muster gepriesen hatte, wie der Astronom undPoet Manfredi, der Professor Zanotti und Dom. Lazzarini aus Macerata, 1668—173-1,dersoschrfeilte und sichtete, daß er nur vier von seinen Sonetten in die Sammlung sei-ner Gedichte aufnahm; sie alle geriekhen allmälig in Vergessenheit. Während die Franzosensich noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts an Marini'schen Gedichten weideten, dichte-ten nun die Italiener wässerige Oden nach franz. Vorbildern; Alles, was aus Frankreichkam, wurde mit ergebener Verehrung ausgenommen, wiewol es die Italiener nie Wort ha-ben wollten, daß sie Nachahmer der Franzosen seien. Franc. Alg arotti (s. d.), der andes Königs von Preußen Hofe lebte und noch ein Schüler Manfredi's und Zanotti's war,als Mathematiker den „Nervtonikniismo per Ie Dame" schrieb (l733), verfaßte als Poellange, dünne Oden, die für den heutigen Leser nicht auszuhalten sind, obgleich sie gar nichtübel klingen. Im Lustspiel fing Carlo G o ld o n i (s. d.) um l 7 36 an, Moliere nachzueifern,dessen ,,'1'artiltfe" Girolamo Gi g li (s. d.) von Siena schon einige Jahre früher in sei-nem „von kilone" für die Italiener bearbeitet hatte, und Carlo Gozzi's (s. d.) phan-tastische Frazzen, die freilich keine Kopien sind, konnten dem Goldoni'schen Charakterstückegegenüber die Theilnahme, welche sie sich bei einem Theile der venet. Theaterfreunde ero-bert hatten, nicht auf die Dauer fesseln. Bei aller Französelei hielt man indeß aus alterErinnerung oder wenigstens aus einer Art Patriotismus noch immer an der herkömmlichenVergötterung der ital. Classiker, derTrecentisten, fest, und alsSaverio Bettinelli (s.d.),ein Jesuit von ganz franz. Bildung, gelehrt, fein, sarkastisch, in seinen 17S7 geschriebenen„vettere <Ii Virgilio" Dante und Petrarca herabsetzte, da brach die ganze ital. Welt der Aka-demiker und Schöngeister gegen Bettinelli los, vor Allen Bar et ti (s. d.). Dieser verthei-digte die Literatur seines Vaterlandes auch gegen den Engländer Sam. Sharp ; er selbst aberübersetzte Corneille's Trauerspiele ins Italienische und drang aufWeltbildung statt der natio-nalen. Melchiorre Cesarotti (s. d.) übersetzte Voltaire's Schriften. Man pries Parini(s. d.) in Italien unsäglich dafür, daß er es gewagt hätte, sich in seinem satirischen Gedicht„Die vier Tageszeiten" von der sklavischen Nachahmung der Griechen und Römer loszurei-ßen, aber man verschwieg oder wollte nicht sehen, daß Parini's Gedicht Rousseau'sche Ge-danken und Voltaire'sche Form abspiegelt. Nur eine Kunst bildete Italien damals eigen-thümlich aus und brachte sie zu ihrer höchsten Blüte, nämlich die Musik (s. d.). Auch inder Poesie war ja schon längst der musikalische Ausdruck zur Hauptsache geworden, siehalte sich längst in bloßen Klang und Ton aufgelöst, endlich wurde sie völlig zur Dienerinder Musik; die Operndichtung verdrängte jede andere Gattung, Operndichter erwarbendie höchsten Preise des Beifalls, der Ehre, der Auszeichnung und der Belohnung. Apostolo3eno(s. d.), der als der Wiederhersteller der dramatischen Würde gepriesen wird, undMetastasio (s. d.), von dessen Lieblichkeit und Ruhm alle Herzen und Lippen Überflüs-sen, wurden die Dichter des Jahrhunderts. Merkwürdigerweise lebten Alle, die damalsde» poetischen Glanz Italiens aufrecht erhielten, im Auslande» Baretti in London, Alga-rotti in Potsdam und Zeno, bis 1729, dann Metastasio, bis an seinen Tod, in Wien.
Nicht nur die republikanischen und philanthropischen Ideen, welche mit der franz. Li-teratur in Italien cindrangen und von Cesare Beccaria im Norden, von Filangieri im Sü-den mit Enthusiasmus verbreitet wurden, sondern auch Thatsachen, politische Ereignisse,praktische Versuche, die neuen Theorien im Staatsleben zu verwirklichen, rüttelten die Gei-ster auf. Joseph II. dehnte seine reformatorische Thätigkeit auch auf seine ital. Besitzungenaus, Klöster und geistliche Güter wurden eingezogen, portug. und span. Jesuiten kamenals Vertriebene nach Italien, bald hob sogar ein Papst denJesuitenorden gänzlich auf; dieVerfolger Pietro Giannone' s (s. d.) mußten bei Protestanten und Griechischkatholischcn,bei einem Friedrich II., bei der Kaiserin Katharina von Rußland Schutz suchen, dann sah maneinen Papst über die Alpen gehen, um in Wien persönlich wegen des Bestandes seiner geist-lichen Macht zu unterhandeln. In Toscana nahm der neue Großherzog Peter Leopold, seit>763, die durchgreifendsten Reformen vor, hob die beschwerlichsten Grundlasten und diestörendsten Schranken des städtischen Gewerbes auf, verbesserte das Gerichtswesen, schränktedie Klöster ein, machte der geistlichen Inquisition ein Ende und suchte die toscan. Kirche