570 Italienische Sprache und Literatur
tractatiis 6s aeqnilibrio praesertim lluidorum ete." (Ven. 1677). Die Philologie siedeltesich nach Holland über; ital. Gelehrte brachten nur noch ungeheure Sammelwerke zu Stande,wie die „ltslia sacra" des Ughelli(20 Bde., 1644—62), die ,Miscellanea italiea erudito^des Gaudenzio Roberto, oder lexikalische Arbeiten, wie die des Giacomo Fa cci o l ati (s.d.),
1682—1769, aus dem Paduanischen, welche dessen Landsmann und Schüler Egidio For-ce lli ni (s.d.), 1688— 1768, sortsetzte und in seinem „I>exicon totius latinitatis" aufspei-cherte; der Vorsteher der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand, L. Ant. Muratori(s. d.) brachte aus Handschriften und Büchern ungeheure Massen von Material in gewal-tigen Folianten zusammen, und derVenetianerVincenzo Coronelli, der>7!8starb,rechteigentlich blos ein Sammler, arbeitete an einer alphabetisch geordneten „Siblwteca univer-sale", die auf 40 Bande angelegt war; doch sind zum Glück nur sieben fertig gewordenNachdem die Akademie cicl Ciinento sich ausgelöst hatte, war es nun fast nur Bologna,das in den nächsten 50 Jahren Italiens wissenschaftlichen Ruhm einigermaßen aufrecht er-hielt. Berühmte Astronomen von dorther waren Giov. Domenico Cassini (s.d.), >825—1712, und Eustachis Manfred!, 1674—1738, der sich auch als Mathematiker, Hy-drostatiker und Poet einen Namen machte; durch seine Reisen und geographischen Arbei-te» erwarb sich Luigi Ferdinands Marsigli (s. d.), >658—1730, der Stifter des Io- !stitnto delle seiende, Ruf; Franc. Maria Zanotti (s.d.), 1692— 1777, zeichnetesich auf dem Felde der schönen Wissenschaften und als Dichter aus. Wo es einen Mannvon freiem Muthe und gesundem Geiste gab, erlag er dem Hasse und der Verfolgung.Pietro Giannone (s. d.) wurde das Opfer zweijähriger harter Gefangenschaft. Gian-battista Vico (s. d.) verkam in Dürftigkeit und endete blödsinnig. Dennoch erhoben ^sich noch ein Gaetano Filangieri (s. d.), ein Maria Pagano aus Salerno, 1758— 1800, den man wegen der Klarheit und Beredtsamkeit seiner Lehrverträge den Pla-ton Neapels nannte, aber des Atheismus angeschuldigt, in den Kerker warf, und ein §Cesare Beccaria (s. d.). Auch brachte Italien noch einen feinen Naturbeobachter, wieAlessandro Volta (s. d.), hervor, dem andere Physiker nicht unwürdig zur Seite stehen, ^jetzt meist aus Piemont und Savoyen, die bisher an der geistigen Entwickelung Italiensnoch keinen Antheil genommen, nun aber, da alle andere ital. Länder ermattet waren, indie Schranken traten; dahin gehörten der Mathematiker Lagran g e (s. d.), der Chemi-ker, GrafBerth o llet (s. d.), der GrafSaluzzo (s.d.), der Gründer einer Wissenschaft- ^liehen Gesellschaft, welche 1783 als Akademie der Wissenschaften constituirt wurde. Die >Mehrzahl dieser Männer war indeß gezwungen, im Auslande Unterhalt oder Rettung vor !Verfolgungen zu suchen. Anderwärts wendeten sich die meisten Kräfte auch während des18. Jahrh. nur den Alterthümern zu; der Sammlerfleiß war unermüdlich. Man zog alteDenkmale, Inschriften, Handschriften und Münzen ans Licht, machte bibliographisebe,biographische und antiquarische Studien und wußte sich unsäglich viel mit dem Verdienste,das man sich darin um die Wissenschaft erwarb. Corsini, Morelli (s. d.), Fabroni(s. d.), Bandini, Audiffredi (s. d.), Maffei (s.d.), Lanzi (s. d.), die Visconti(s.d.), Rosini, Fea (s. d.), Jgnarra, Ficcoroni, Manni, Sestini (s. d.) u.A.wären hier zu nennen. Ein Deutscher, Win ckelmann (s.d.), war es, der in diese verein-zelten antiquarischen Bestrebungen etwas Leben, Sinn und Zusammenhang bringen mußte.
Überhaupt kam schon längst aller Antrieb zu neuen Schöpfungen und Gedanken den )Italienern von außen. Schon seit dem Ende des 17. Jahrh. machte sich franz. Einflußaußerordentlich fühlbar. Dem franz. Beispiele folgte man, indem man die literarischeJournalistik einführte; das „donrnal des savants" war das Muster, nach welchem Franc.
N azzari auf Veranlassung des Cardinals Ricci 1658 in Nom das erste „Llioroale de'letterati" gründete, das dann wieder andern, die in Venedig, Parma, Ferrara entstanden,zum Vorbilde diente. Erst Apostolo Zeno (s. d.) wagte es, nachdem die älter» Journaleeingegangen waren, und Italien sich seit einer Reihe von Jahren wieder ohne Wissenschaft'liche Zeitung befand, im I. 1807 unabhängig von fremden Mustern ein Organ zu grün- !den, von welchem nach und nach 40 Bände erschienen sind, das „Oiornale de' letteratid'Italia". Diesem ahmten dann verschiedene andere nach, unter denen das pisanische,1771 begonnen, als „Nuovo giornale ds' letterati" bis in die neueste Zeit fortgedauert hat.
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