Italienische Sprache und Literatur 569
Gottesrcichs und Italiens und die brennendste Sehnsucht nach dem Ende dieser verderbteni Welt athmen, ferner Bened. Mancini, 16-10 — I76k», der die Akademie der Arkadier inNom stiften half und sich in Elegien, Hymnen, Pastoralen auszeichnctc. Der Akademien gabcs in Nom allein wenigstens ein Dutzend, die bedeutendsten darunter sind die der lämoristi,gestiftet um 1666 von Paolo Mancini, die sich rühmen konnte, daß es in Italien keinennamhaften Mann gebe, der nicht ihr Mitglied sei und der sogar zwei Päpste angehörten,Clemens VIII. und Alexander VII.; ferner die der Or<ln,-,ti, aus Eiferslicht auf die Cino-ristivon Gius. Strozzi mit Unterstützung eines Kardinals Ncdi um 1668 gestiftet; diedcrl.iiicei und die der Arkadier (s. d.), die es sich zum Ziele setzten, eine Reinigung desGeschmacks in Italien zu bewirken. Unter den Stiftern derselben, Giammaria Crescim-beni (s.d.), Bened. Mancini, Eianvinc. Platina, entspann sich bald ein lächerlicher Streit,indem Platina behauptete, die Statuten der Gesellschaft, die er rcdigirt hatte, seien von ihmauch ausgesonncn, während die Andern ihm nur das Verdienst der schriftlichen Ausführunglassen wollten. Die Königin Christine von Schweden, die in Nom lebte, versammelte beisich ebenfalls eine dichterische und gelehrte Akademie. Unter ihrem Schutze, oder besser inihren Diensten, standen Mencini, Zappi, Alessandro Guidi und der Physiker GianalfonsoBorelli. Wie es aber diesen Gelehrten zu ergehen pflegte, zeigt Borelli's Beispiel. Nach-dem er sich mit dem Fürsten Leopold Medici überworfcn, weil er gewisse Arbeiten in eige-nem Namen herausgab, statt die Ehre der Veröffentlichung der Akademie dieses Fürsten zugönnen, wurde er 1674 aus Messina verwiesen; in Nom nahm sich darauf zwar die Köni-gin Christine seiner an, deren Unterstützung er sich durch eine Abhandlung zur VerthcidigungI der Astrologie, die sie liebte, er aber für Posse hielt, erkaufen mußte, ließ ihn jedoch endlichals Bettler 167» in einem Hospiz sterben.
, Während die sogenannten großen Geister der Zeit ihre Freunde und Gönner mit Lobs bewucherten, sich selbst beräuchern ließen oder mit ihren Gegnern sich in giftigen Schriften^ über kleinliche Sachen hecumstrittcn, blieb den Besten unter ihnen keine Waffe gegen die' Erbärmlichkeit der Zeit, aus welcher hinweg die Frommen unter den Poeten sich nach demj Himmel sehnten, als Witz und Spott. Mencini und Lodov. A dimari, der unter Andermauch die Bußpsalmen in Verse brachte, schwangen nur eine züchtigende Geißel über die La-ster der Zeit, doch in den bittersten Satiren ergoß der Maler Salvator Nosa (s. d.), gest.>675, seinen tiefen Unmuth. Das romantische Epos trat nun noch einmal ayf, in aber-, mals veränderter Gestalt, elegant nachlässig,'scharfzüngig, mit höhnisch verzogener Miene;Alessandro Tassoni (s. d.), ein Feind aller Vorurtheile und Narrheiten, in denen er dieMasse der Menschen sich kindisch umtreibcn und sich kläglich hinschlcppen sah, ward inseiner „Lecciiia raznts" Schöpfer des komischen Heldengedichts, ein Verdienst, das ihmübrigens durch Franc. Bracciolini ausPistoja streitig gemacht wurde, indem dieser, nocheh: Tassoni's Gedicht gedruckt war, ein Epos derselben Gattung „I-o sciiernn <le<;>i ckei"1618 veröffentlichte. Chiabrcra machte damals noch ernsthafte Epen im großen Stil, wie„si'ltalia I,berat»", ,,Iä» 6nt>»tie", „lä'^malieüie» u. s. w., ebenso auch Bracciolini, z. B.,,I-u croce racc>»i8tata". Den meisten Beifall gewann jedoch das komische Genre, in wel-chem sich nun auch Andere versuchten, besonders Lorenzo Lippi und Bartol. Corsini. DieNcihederHeldendichtcrbeschließtNicc.Forteguerriss d.), 167 1 —>765, der seinen „Ric-7 ci->rllettv" blos in der Absicht begann, wie er selbst erzählte, um seinen Freunden zu zeigen,daß so etwas dem Genie nicht viel Schweiß koste.
Die zur Pflege der Naturwissenschaften vom Eroßherzog Ferdinand ll. in Florenz 1651gegründete, 1657 unter dem Namen <>el (limentn von Leopold Medici förmlich eingerichteteAkademie löste sich schon 1667 auf; es war kein Boden mehr für die geistige Regsamkeit inItalien. Wieder ein Süditalicncr war eS, Tommaso Cornelia, der der CartcsianischenPhilosophie in Italien Eingang zu verschaffen suchte; als Arzt und Mathematiker fander viel Gunst, aber als Philosoph auch viel Anfeindung. Bei dieser Gelegenheit ist auchI »och Michel Angela Fardella, ein Sicilier, zu erwähnen, der sich gleichfalls anderCar-' testamschcn Philosophie heranbiidcte und unter Anderm wegen einer Schrift „^nimae im-waooe uutiiru ab ^»gustino cketeeta etc." (Ven. 1698) sehr beachtenswerth ist ; sowie derwenig bekannte Giammaria Ciassi wegen seiner „5leclitationes cke natura plantarum et