Druckschrift 
7 (1846) Heim bis Juwelen
Entstehung
Seite
567
Einzelbild herunterladen
 

Italienische Sprache und Literatur 567

wollte. Ein eleganter Stil war das höchste Ziel des Strcbcns, der geschmackvollste Redner, der größte Mann der Zeit. Die akademischen Reden Speronc Speroni's schildernd, strö-me» seine Zeitgenossen vor Bewunderung und Entzücken über; alle Großen rissen sich umSperoni, alle Fürsten wollten ihn an ihren Höfen haben, mit Besuchen, mit Geschenkenwurde er überhäuft. Die Akademien mehrten sich wie Sand am Meere; ihre langweiligeGeschichte wurde von einzelnen ihrer Mitglieder in dicken Quartanten beschrieben. Damitdas ewige Versgeklingel nicht allzu ermüdend würde, verschafften sie sich bisweilen eine Ab-wechselung mit der wirklichen Aufführung von Dramen, welche in ihrem Kreise mit Bei-fall vorgelesen worden. Viele Akademien erbauten sich ihre eigenen Theater; in Florenzgab es um die Mitte des 16. Jahrh. drei Akademien, die ihre besonder« Theater hatten,die Iiilacati, die Immobil! und die 8orK6nti; die Krone aber trug in dieser Hinsicht die> olympische Akademie zu Vicenza davon, deren prachtvolles Theater, von Palladio begon-nen, >580 von Scamozzi vollendet, eine der größten Zierden der Stadt abgab.

Zn dieser ganzen Zeit war man im Trauerspiel wie im Lustspiel unwandelbar denantiken Vorbildern gefolgt. An dem TrauerspieleXtnmnnte", von Girolamo Zoppi, fandMuretus, der berühmte Philolog, der gleich allen Gelehrten seiner Zeit auch selbst Poetwar, zu tadeln, daß der Dichter, von den alten Mustern abweichend, sein Stück in Acteund Scenen getheilt hatte. Die meisten Dramen wurden bei festlicher Gelegenheit an Hä-fen oft von vornehmen Personen aufgeführt; auch waren sie oft von Fürsten und hohenAdeligen oder Prälaten gedichtet. Die Städte wetteiferten mit den Fürsten; Vicenza ließ^ 1565 ein hölzernes Theater von Palladio bauen, um denLäsix," des Gio. Andr. dell'

Angnillara darin aufzuführen, und in demselben Jahre baute Palladio ein solches Theaterfür dieVenetianer, als diese denXntiAonn" des Grafen del Monte wollten aufführen las-sen. Unter den zahllosen Tragödiendichtern dieser Zeit zeichnet sich Torquato Lasso aus,

! dessenl'orrismoixio" vielleicht das Beste ist, was in dieser Art gemacht wurde. Wie den^ Sophokles und Euripides in der Tragödie, ahmte man noch immer in der Komödie den Terenzund Plautus, die Nachahmer der Griechen, nach. Diese Lustspiele waren gewöhnlich, na-mentlich im Anfänge des > 6. Jahrh., voll von Obscönitäten. Mit den Dichtern, unter denenPietro Aretino obenansteht, wetteiferten hierin die Schauspieler; dem Unanständi-gen der Erfindungen, wird versichert, habe das Anstößige des Costüms und der Geberdungnichts nachgegeben. Leo X. nahm an den Schlüpfrigkeiten und Späßen der Komödie nochkeinen Anstoß; er ließ die Nozzi, eine Akademie von Siena, die erste, welche Komödien! gab, alle Jahre einmal nach Rom kommen, um vor ihm zu spielen. Lodov. Ariosto^ machte Lustspiele für den Herzog Alfons, der nach Angabe des Dichters ein Theaterdafür einrichten ließ, das schönste, welches man damals noch gesehen hatte. Auch Trissinsund Alamanni versuchten sich in der Komödie; die besten Stücke aber lieferte der Floren-tiner Giammaria Cecchi. Manche behaupteten, ein Lustspiel müsse in Prosa geschriebensein, weil es das wirkliche Leben darstcllc, und Cardinal Bibiena, Leo's X. Liebling, dich-tete so die6nl?>nll,a", die 1520 mit großem Beifall aufgeführt wurde; desgleichen Are-tino und mancher Andere; die ausgezeichnetsten Stücke in diesem Genre sind ,von einemSchuhmacher aus Florenz, Giambattista G el li. Hier bildete sich nun schon ein Übergang indie Volkskomödie. Das Lustspiel in antiker Form gerieth immer mehr in Abnahme, jefrömmer, moralischer, sittsamer die Welt wurde. Nur auf der Volksbühne erhielt sich derderbe Spaß, der Ubermuth, die kecke Laune. Angclo Ruzzsnte, zubenannt Beolco, denSperoni den modernen Roscius nennt, verfaßte Possen in allerlei vermischten Dialektenund bediente sich dabei der beliebten stehenden Charaktere oder Masken (s. d.). Ebensowendete Andr. Calmo in Venedig, eines Gondoliers Sohn, die verschiedenartigsten Dia-lekte in seinen Lustspielen an. In der Commedia dell' Arte, wie man diejes Volksschauspielnannte, das von den Schauspielern halb improvisirt wurde, kam nach und nach eineMengeverschiedener Charaktere auf, je nach den Nationalitäten individualisirt; ein Kaufmann,Pantalone, der Venetianisch spricht; ein Arzt aus Bologna, il Doktors ; ein röm. Süß-s ling, Namens Gelsomino; Bektrame, ein Einfaltspinsel aus Mailand; der Kuppler! Brighello ist Ferrarese, der komische Bediente Arlechino, Bergamaske; es kommt auch nochein Spaßvogel aus Apulien hinzu, Pulcinella; ein neapolit. Bramarbas, Spaviento, und