Italienische Sprache und Literatur 563
fcr für die Förderung der humanistischen Wissenschaft, doch die Lehre von der Rechtferti-gung durch Christi Blut fcsthielten und beschlossen, weil sie den Gottesdienst in Rom undganz Italien so elend mißhandelt sähen, Alles zu thun, was sie vermöchten, um die göttlichenGesetze zu beobachten. Der nachmals kanonisirte Gactano von Thiene, von dem derTheatinerorden den Namen hat, die nachmaligen kardinale Caraffa, der Stifter des ge-nannten Ordens, Contarini, Gibcrti, Sadoleto u. A-, 50—60 an der Zahl, bildeteneine Gesellschaft, die sie „Oratorium der göttlichen Liebe" nannten, um in einer Kirche vonTrastevere Betstunden zu halten. Contarini war ein Schüler des Pomp onazzo, aber einerder Ersten, die gegen dessen Buch „Vv immnrtulitste snimue" schrieben. Durch Roms Plün-derung, den Fall der toscan. Hauptstadt und die Unruhen und Kriegsstürme in ganz Ita-lien verscheucht und vertrieben, sammelten sich die frommen Männer allmälig in Venedig,das allein vollkommener Ruhe genoß. Cortese, Abt von San-Eiorgio Maggiore daselbst,öffnete ihnen den Garten seines Klosters; es entstand eine Art geistlicher Akademie, derenSeele Contarini war. Am andern Ende Italiens, in Neapel, wurde gleichzeitig dieselbeRichtung von einem Spanier Juan Valdez vertreten, der unglaublichen Einfluß weithin,besonders unter Vornehmen und Frauen übte, mit Vielen in Verkehr und Briefwechselstand, unter Andern mit der berühmten Viktoria Colonna, auch mit Julia Gonzaga, diefür die schönste Frau ihrer Zeit galt. Zahlreiche Schriften gingen von den Anhängern die-ser fast ganz der protestantischen ähnlichen Richtung aus. Wie leicht der Übergang dieserRichtung zum Protestantismus war, zeigt das Beispiel des Kapuziners Bernardo Occhino,der zweimal General seines Ordens und von Bembo, der seine Predigten bewunderte, zumEewiffensrath erwählt worden war, 1511 aber, als gegen seine Nechtgläubigkcit Verdachtentstand, flüchtete und zuletzt, nach vielem Umherirren, auch aus Genf, Zürich und Baselvertrieben, 76 Jahre alt, in Mähren an der Pest starb.
In diesen frommen Kreisen bildete sich auch eine fromme Poesie aus. Marcant. Fla-minio aus Serravalle, geb. 1-198, der die Psalmen paraphrasirte und commentirte,war auch Poet und seine Gedichte fand man damals und noch in späterer Zeit unwider-stehlich durch Anmuth und Liebreiz. Diese Art Poesie, die überhaupt etwas Weibliches hatte,wurde am meisten von den Frauen gepflegt. Viktoria Colonna (s. d.), Veronica Tam -barra, die beide jung verwitwet nicht wieder heirathetcn, waren unerschöpflich an from-men und zarten Gesängen, und ihrer Geistesschwestern waren so viele, daß schon 1550 Lo-dov. Domenichi eine Sammlung von Gedichten „Di olcune (d.h. beinahe 50) nobilissimeet virtuosissime Vvnue" herausgeben konnte. Nun nahm auch dasRittcrgcdicht eine eigen-thümliche Gestalt an. Eine wesentliche Veränderung hatte sein Charakter schon durch denübrigens lustigen und lebensfrohen Franc. Berni (s. d.), 1190—15.76, von dem die ko-mische Dichtart der Vor8i kernescin den Namen hat, erfahren, indem Berni den RolandBoyardo's glatt und fein machte. Dagegen verfolgten Luigi Alamanni (s.d.) in seinem„kirone il Cortese" und Bernardo Tasso (s.d.), Torquato's Vater, in seinem „VmatliAi"und in seinem „Vloritiante" (um l 515) bereits eine moralischeTendenz; Giangiorgio Tris-sino (s. d.) aus Vicenza wählte schon einen geschichtlichen Stoff, Italiens Befreiung vonden Gothen; endlich dichtete der jüngere Tasso (s. d.), die Seele voll christlicher, schwär-merischer Frömmigkeit, seine „6erusalemme liberata". Daneben freilich setzten Andere nochdie ältere Weise fort, so Teofilo Folengoden humoristischen Ton in seinem „Orlan-Iino",und Vicenzo Brusantini die verliebten Abenteuer in der „^ngelica irmamorsta".Einige, zu denen Trissino den Übergang bildet, dessen „Italis libersta" reimlos ist, brachtendem Antiken ihre Huldigung dar, so Giambatt. Giraldi in seinem „Lrcole" und Lodov.Dolce im „Lima" und im „^clülle", in denen er sich den Homer zum Vorbild genommen.
Die Richtung der Neuerer, wie man sie anfangs nannte, eines Bälde; und Contarini,gewann allmälig Einfluß auch am röm. Hofe und endlich auf die Papstwahlen. Im I.>555 wurde Marcellus II. gewählt, ein Mann nach dem Herzen der frommen Eiferer, undda Marcellus bald starb, noch in demselben Jahre sogar der strenge Cardinal Caraffa selbst,der unter dem Namen Paul IV. den päpstlichen Stuhl bestieg. Jetzt kämpfte man nichtmehr mit Schriften gegen die Ketztr und Gottlosen,, man kämvkte mit Bullen und mit dem