562 Italienische Sprache und Literatur
ftnbarung hakte, sollte man meinen, der Philosophie Recht geben zu müssen. Dieses Buchwurde in Venedig öffentlich verbrannt, auch von den Kanzeln dagegen geeifert, Mehr!schrieben Widerlegringen, und dem Cardinal Bembo, der damals Leo's X. Secretair war,schickte man cs zu, damit er es vom Papste verdammen ließe. Aber Bembo und der Mae-stro des päpstlichen Palastes fanden das Buch gar nicht so schlimm, und die Verdammungunterblieb. Übrigens hat Pomponazzo noch ganz andere Sachen geschrieben, die erst nachseinem Tode ans Licht kamen, wie die Abhandlung „Vs naturalimn elkectuum cansis"und die „ve tiltn, libero arbitrio etc.", worin er die Wunder für Einbildungen erklärt, dieMöglichkeit einer Vorsehung Gottes mit scharfen Gründen anficht und von keiner an-dern Seligkeit wissen will als einer solchen, die mit natürlichen Kräften sich erwerben lasse.
Gegen solchen Unglauben hatte Ficinuß durch Wiedererweckung derPlatonischen Phi-losophie wirksam kämpfen zu können geglaubt; damit die Poeten, sagte er, endlich aufhörenmüssen, die göttlichen Geheimnisse für eitle Dichtungen zu erklären, gäbe er Platon undPlotin heraus. Zoh. Franz Pico führte sogar die kabbalistischen Schriften der Juden alsHülfstruppen zur Vertheidigung der Kirchenlehren herbei. Aber die Zweifler, namentlichdie feurigen Süditaliener, ließen sich nicht mit solchen Autoritäten schlagen. BernardinoTelesio, geb. in Cosenza 1508, von welchem Baco sagt, er sei mehr im Zerstören als imAufbauen groß gewesen, ging weit über Aristoteles und Platon aus die alten Naturxhiloso-phen der Griechen zurück; man nannte ihn den Wiederherstellcr des Parmenides. Ergründete in seiner Vaterstadt eine Akademie, die den Namen der Cosentinischen später wüdem der Costanti, d. i. der Standhaften, vertauschte und leitete seine jugendlichen Genossenzum Studium der Natur an; man versuchte mit den eigenen Kräften des Denkens in dieMysterien der Natur einzudringen. In weitern Kreisen wirkte Telesio durch seine Schrift„De rerum naturajuxtu prapria principia" (6 Bde., Neap. 1580). Noch ausgebreiletcrwar der Einfluß des Mathematikers und Physikers Hieron. Cardanus (s. d.), lövl —76, ein wilder, stürmischer, vyn der Sehnsucht nach Wissen und von Schmerz und Luft dksDenkens bacchantisch aufgeregter Geist, der die Jugend, welche seinen Vorträgen lauschte,taumelnd mit sich fortriß. Dieser Schul« gegenüber setzte Franc. Patrizi, geb. auf derInsel Cherso 1529, das Werk des Ficinus fort; in den „viscussiones perchiateticse" be-kämpfte er die Aristoteliker und in der „lXovu >le uuiversis >>tüIo8<>jiI,ia" entwickelte er eineArt NeuplatoniSmus, indem er zugleich in der Geschichte der Philosophie einen Zusam-menhang seit Hermes Trismegistus nachzuweisen suchte. So sehr die Kirche diese philoso-phische Richtung, welche ihre Lehre zu vertheidigen schien, damals sich gefallen ließ, so konntees doch damit nicht anders ergehen als gegenwärtig mit der Hegel'schen Spekulation; eizeigte sich, daß sie nur ein Pantheismus war und abermals zur Entwickelung atheistischerAnsichten Anlaß gab. Entschieden trat das pantheistische Element in der Lehre des Gior-dano Bruno (s. d.) auf, der die Welt als ewig betrachtete und keine andere Gottheit aner-kannte, als das die Welt belebende Princip, d. i. die Weltseele. Sein eigentliches Ver-dienst setzte er in die Wiederbelebung der alten kultischen Kunst, der urs mugim, die er auseinem Hülfsmittel fürs Gedächtniß in eine Systematik des Denkens umwandclte.
Neben dieser philosophischen Richtung, die sich von der Kirche losriß und dem Un-glauben der Poeten, die alles Kirchliche verspotteten, hatte sich innerhalb der Kirche einePartei gebildet, welche aus christlicher Gesinnung und schwärmerischer Frömmigkeit dieVerweltlichung der Kirche, nicht die Kirche selbst bekämpfte. Die ersten Männer, welcheeine Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern federten und die Unsittlichkeit des Kle-rus in Predigten vor dem Volke geißelten, wurden als Ketzer hingerichtet, wie sie denn auchwirklich ein ketzerisches und politisch, gegenpäpstisch gefärbte- Element in sich trugen; s°der Karmeliter Thom. Connecta, der 1432 in Rom verbrannt wurde, undGeron.Savo-n a rola, der noch >498 den Ketzertod starb. Wo eine ähnliche Richtung sich dem katholischenKirchenthum anschloß, wurde sie von den Päpsten geduldet oder sogar begünstigt. Franc,von P aola in Calabrien, der 1457 einen neuen Eremitcnorden stiftete, wurde spater so-gar heilig gesprochen. Die Roscnkranzbrüderschaften, in Deutschland 1475 von demKetzermeister Jak. Sprenger in Köln gestiftet, kamen nach Italien herüber. In einem Win-kel Noms versammelten sich Männer, die gleich den deutschen Reformatoren bei vielem Ei-