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7 (1846) Heim bis Juwelen
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561
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Italienische Sprache und Literatur 561

wurde, nämlich das romantische Epos. An der naiven Haltung der alten Rittergedichte,die aus denReal! cki kruncia" und andern Sagenbüchern hcrvorgegangen waren, konntesich das Zeitalter der Kunst und Bildung nicht mehr genügen lassen; schon im ,,5larF»n'«muMiore" mischte sich eine leise Ironie einim ,Msinl>>no", den Franc. Bc l lo aus Fer-rara um das Ende des >5. Iahrh. dichtete, beginnt das Altcrthum sich geltend zu machen,heidnische Götter, Musen und dergleichen werden angcrufcn; Matteo Boyardo end-lich, der seit etwa I4UO am Hofe von Ferrara als Cavalicr des Marchese Borso undspäter Hercules' l. lebte, bildete ein Epos aus allen den phantastischen Elementen, welchedamals die Seelen erfüllte; der Gegenstand, ein Kampf der Mauren und Christen, ist ganzgeeignet, die ritterliche und fromme Schwärmerei der Zeitgenossen zu befriedigen, die Dar-stellung, tausend wunderbare und geheimnißvolle Mächte, Zauber-undFecrcien, Orient undOecident, Heldenthum und Liebe, Heidnisches und Christliches vermischend; Boyardo hat imEpos zum ersten Male aus den strengen, enthaltsamen Eottesstreitcrn minnigliche Helden ge-macht;denn", singt er,Lieb ists, die dem Mann verhilft zu Glorien, daß er geehrt wird undihn Andere schätzen". Unverzüglich folgte diesem Dichter der nicht minder schwärmerische unddabei so reizend übermüthigc, den Stoff wie im Spiel beherrschende, künstlich verwebende,»ui allem Reiz des Wunderbaren, Überraschenden, Neuen, Mannichfaltigcn, anmurhigschmückende und kühn gestaltende Cavalicr des Cardinals Hippolyt von Este, Ariosto (s. d.).Au den Höfen gedieh auch die satirische Poesie; sic war dort rücksichtsvoll und suchte wol,um Wahrheiten wie übergoldete Pillen einzugcben, ein oriental, märchenhaftes Gewand,wie dies z. B. in Macchiavelli's humoristischemUelluxor" der Fall ist. Auch Laigi Ala-mauni erwarb sich als Satiriker Ruhm. Schonungsloser waltete der Spott in gewis-sen Gesellschaften von jungen Geistlichen, wie z. B. die der Mgnajuoli in Nom war;Mitglieder dieser Gesellschaft waren unter Andern Franc. Bcrni, 14W15.')«;, Giov.

, Mauro u. A., die ihren Spott in Prosa und in Versen über Mönche, Geistlichkeit,

! Kirche und Religion, kurz über alles Heilige ausgosscn. Pietro Arctino (s. d.), der sich,

^ wenn er wollte, auch so fromm geberden konnte, dichtete die losesten und unsaubersten Sachen,und auch die damals berüchtigte SchriftDe tridus imzinstoriliils", welche die Ncligious-stifter für Lügner erklärte, soll von ihm sein.

Mit solchen Arbeiten brauchte man zur Zeit Leo's X. nicht gar zu sehr geheim zu lhun;man fand damit, wenn auch äußerlich, vor dem Volke, das Decornm noch einigermaßengewahrt wurde, Beifall bei Cardinälen und Prälaten; cs gehörte am päpstlichen Hofeselbst zum guten Tone, über die kirchlichen Bräuche und Lehren zu witzeln. Vor keinerFrage schreckten diese Poeten zurück; man disputirte in Gesellschaft über die Meinung derAverrhoisten, daß die Seele sterblich sei, und ob nicht Menschen- und Thierseclc von einerund derselben Substanz seien, und fand gemeiniglich für diese Ansichten bessere Gründe alsfür die entgegengesetzten. Seitdem man die wirklichen Schriften des Aristoteles wieder ansLicht gezogen, zu studircn angefangen und übersetzt hatte, wollten alle gebildeten Leute Ari-stotelikcr, oder wie sie sich vielmehr nannten, Peripatetikcr sein. Beinahe die ganze Erde,schrieb schon in der letzten Zeit des 15. Iahrh. Marsilius Ficinus, der berühmte ÜbersetzerPlrlon's. ist von den Pcripatetikern eingenommen, und zwar von zwei verschiedenen Sek-ten derselben, den Alexandrinern und den Averrhoisten; jene unterscheiden Geist und Seele,; erstem halten sie für unsterblich, letztere für vergänglich, diese lassen den Geist ganz undgar vergehen; beide erschüttern die Grundlagen aller Religion, hauptsächlich dadurch, daßsie die göttliche Vorscbung nicht mit ihren Systemen vereinigen können. Aber dabei unter-warfen sich die Pcnparcliktt. zum Scheine der kirchlichen Autorität; man könne, sagtenße, nur die Kirchcnlehre nicht philosophisch beweisen. In Padua lebte zu Anfänge des IS.3ahrh. ein Professor, von seiner kümmerlichen Gestalt il peretto genannt, aus Mantuagebürtig, Pietro Pomponazzo, der als Lehrer zu Bologna 1524 starb; er war keinSprachkenner, verstand außer seinem Mantuanisch nur Latein, das er schlecht genug schrieb,über im Aristoteles und Averrhoes war er wohl bewandert. Die Unsterblichkeit der Seele,sagte er in seiner SchriftDe immnrtalitute »mm-re", sei mittels der Aristotelischen Philo-sophie und mittels des Denkens überhaupt nicht zu erweisen, und, wenn man nicht die Of-Conv -Lex. Neunte Ausl. Vll. 36