Irland (Geschichte) 491
aber nach der Schlacht von Culloden (s. d.) sogleich zur Strenge zurück. Der Druck derprotestantischen Grundherren und Pfarrer ries jetzt allmälig unter den katholischen Iren jenein der neuern Geschichte der Insel wichtigen Verbindungen derDefenderS (s. d.) hervor.Ums J. >760 traten die Wbitelrozcs, d. i. weiße Burschen (von den Hemden, die sie überden Kleidern trugen), auf. Es waren brotlose Tagelöhner, Arbeiter, ausgesetzte Pächter,die sich des Nachts versammelten, um harte Grundherren, Pfarrer, Agenten, Beamte zustrafen oder zu morden, worauf sie gewöhnlich wieder geheimnißvoll verschwanden. KeinIre durfte, ohne daß er ihre Rache empfunden, gegen sie vor Gericht zeugen, was sie beson-ders unerreichbar machte. Neben ihnen erschienen >763 die 8eart» ok osk, d.i. Eichenher-zen, die sich gegen die drückenden Straßenbaufrohnden auflehnten. Im Ganzen ändertediese rohe Selbsthülfc die Lage desLandes nicht. Ersinnt dem Freiheitskampfe der Nordame-rikas Colonien nahm das Volk einen allgemeinen Aufschwung und nöthigte der bedräng-ten Regierung einige Zugeständnisse ab. Die Strafgesetze wurden mit Zustimmung desbrit. Parlaments >778 gemildert; Katholiken durften hiernach Pachtcontracte auf 999Jahre schließen. Da Frankreich mit Angriffen auf die irische Küste drohte und das Landvon Truppen fast entblößt war, so nahmen die Irländer Gelegenheit und stifteten >779,zuerst in Belfast, angeblich zum Schutze des Landes, ein Corps irischer Freiwilliger (lriskrollmtsries), das nach zwei Jahren 50000 M. zählte. Das Volk begann hiermit seineStärke zu fühlen. Die Freiwilligen entwarfen mit den Waffen in der Hand Petitionen,und die Regierung gerieth um so mehr in Furcht, als sich auch die irländ. Protestanten zuden Katholiken schlugen und gemeinsam eine Reform des politischen Zustandes foderten.Man ^erlangte völlige Befreiung des irländ. Handels, die Aufhebung der Strafgesetze,vor Allem aber die Selbständigkeit des irländ. Parlaments und eine Reform des mit un-glaublichen Misbräuchen behafteten Wahlgesetzes. Um einen allgemeinen Aufstand zu ver-hindern, sah sich das engl. Parlament >782 gcnöthigt, die Poyningsacte abzuschaffen undden Irländern die legislative Unabhängigkeit zu gestatten. Zugleich wurden die Strafge-setze gegen die Katholiken, wenn auch nicht ganz abgeschafft, doch wieder bedeutend gemil-dert. Dieselben durften nun Grundbesitz erwerben, Schulen errichten und ihre Religions-gcbräuche freier ausüben. Besonders drückend waren für die Katholiken die Zehnten, die sieallenthalben an die protestantischen Pfarrer entrichten mußten, während sie überdies nochfür ihr eigenes Kirchenwesen zu sorgen hatten. Die Härte, mit welcher viele Pfarrer diesenZehnten von den armen Pächtern eintrieben, brachte k786 einen geheimen Verein zuwege,dessen Mitglieder sich Ri^Ktl,«)'«, d. i. Rechtsburschen, nannten. Diese Verbündeten räch-ten ihre Landsleute an den Pfarrern, nahmen dem Volke das eidliche Versprechen ab, denZehnten gar nicht oder nur zu einem bestimmten Betrage abzuführen, und bestraften dieWortbrüchigen. Streitigkeiten um die protestantischen Kirchengefälle nahmen seitdem zuZeiten den Charakter eines kleinen Kriegs an.
Der Ausbruch der franz. Revolution konnte wol nirgend einen größer» Widerhallsinken als in dem Jahrhunderte hindurch von seinen Gewalthabern gemishandelten I.Die Begeisterung, die Hoffnungen und die Entwürfe, welche auftauchten, waren aus-schweifend. Aus den Freiwilligen, die sich jedoch schon seit mehren Jahren aufgelösthatten, trat im Nov. >79> zu Dublin der Bund der Vereinigten Irländer (liniteckIrizbmen) zusammen, an dem auch viele Protestanten Theil nahmen. Der Verein hatteden angeblichen Zweck, die Grundsätze und Ereignisse der franz. Revolution zu verbreitenund zu besprechen; insgeheim aber betrieb er die Einleitung einer Revolution, welche I.in eine unabhängige Republik verwandeln sollte. Man war mit dem franz. Nationalcon-vent in geheime Verbindung getreten, arbeitete an der Wiedcrbcwaffnung der Freiwilligen,und das Erscheinen eines franz. Heers sollte das Zeichen zum allgemeinen Aufstande sein.Die Katholiken benutzten die Verlegenheit der brit. Regierung für sich und foderten >792auf einer großen Versammlung zu Dublin völlige Rechtsgleichheit mit den Protestanten.Das brit. Parlament suchte den Sturm zu beschworen, indem es die Hindernisse gegenirländ. Handel und Gewerbthätigkeit, sowie die berüchtigten l'ensl lavs, bis auf wenigeReste aufhob. Die Katholiken erhielten das Recht der Sachwalterschaft vor Gericht unddursten von nun an auch Ehen mit Protestanten schließen. Im I. >793 schaffte man die