488 Irland (Geschichte)
nur, daß die Iren in dem dürftigsten Zustande geistiger Bildung lebten, sondern auch derUmstand, daß die Reformation von ihren Feinden, den Engländern, ausging, kettete sie umso fester an ihren alten Glauben. Besonders nährten die seit ISäl in die Insel bingedrun-genen Jesuiten den Haß gegen den abgefallenen König. Heinrich VIII. suchte zwar seineMacht dadurch zu verstärken, daß er sich am 23. Jan. 1542 von dem irländ. und engl.Parlament zum König von J. erheben ließ, aber für die Verbesserung der socialen Zuständedes Volks that er nichts. Die Reformation, die unter ihm und seinem Sohn Eduard VI.in den engl. Bezirken nur schwache Wurzel gefaßt, wurde daher unter der Königin Ma-ria I. (s. d.) mit Leichtigkeit ausgerottet. Als Elisabeth (s. d.) 1558 den engl. Thron be>stieg, gedachte sie anfangs den Glauben der Iren zu schonen, bis sie die Anfeindungen desPapstes und der katholischen Partei bewogen, auch in I. die Reformation herzustellen unddas ganze katholische Kirchenvermögen zu Gunsten des neuen Klerus einzuzichen. Schonseit 1560 begannen in Folge dieses Gewaltstreichs fortgesetzte Empörungen, deren Urheberengl. Flüchtlinge, der Papst und der span. Hof waren. Der Statthalter Sir John Perrotsuchte die Königin für durchgreifende Reformen und eine sorgfältige Entwickelung desLandes zu stimmen; allein die engl. Großen hielten dies für gefährlich und für zu kostspielig.Die Einkünfte aus I. betrugen freilich für die Krone nur ungefähr 6000 Pf. St., und dieKönigin mußte gewöhnlich noch jährlich 20000 Pf. hinzulegen, um durch ein schwaches,schlecht bezahltes Truppencorps nur einigermaßen die Oberherrschaft über die Insel zu be-haupten. Von jeder Theilnahme am öffentlichen Leben ausgeschlossen, traten damals dieIren häufig in span, und franz. Kriegsdienste und kehrten mit dem Waffenhandwerke ver-traut zurück. Diesen Dortheil benutzte ein kühner, erfahrener Häuptling, Hug O'Niele,den die Königin zum Grafen von Tyrone erhoben hatte, und begann unter span. Aufmun-terung >595 einen Aufstand, der die Befreiung der Insel vom engl. Joche zum Zweckehatte und reißende Fortschritte machte. Die Königin schickte im März 1599 endlich ihrenGünstling, den Grafen von Essex (s. d.), mit einem Heere von 22000 M. nach I.; dochEssex vermochte wenig auszurichten, schloß mit Tyrone einen Waffenstillstand und ent-fernte sich eigenmächtig, worauf die Empörung wieder losbrach. Hierauf wurde LordMountjoy zum Statthalter ernannt, der mit bedeutenden Streitkräften in wenigen Mo-naten die blutige Unterwerfung des Landes vollendete. Als jedoch am 23. Sept. >6014000 Spanier unter Aquila, der den Titel eines Wiederherstellers des Glaubens an-nahm, bei Kinsale, und bald daraus ein anderes Heer unter Ocampo im südlichen Theilelandeten, griffen die Iren wieder zu den Waffen. Tyrone vereinigte sich mit Ocampo;beide wurden aber am 24. Dec. 1601 vor Kinsale von Mountjoy mit großem Verluste ge-schlagen. Die Spanier zogen hierauf im Jan. 1602 vertragsmäßig ab und Tyrone mußtesich freiwillig ergeben. Als Elisabeth starb, war ganz I. der engl. Krone unterworfen.Die Unterdrückung des Aufstandes hatte aber einen Theil der Urbewohner hingerafft undzu massenhaften Confiscationen von Grund und Boden geführt, die das Misverhältnißbegründeten, an dem die Insel noch gegenwärtig leidet. Mehr als 600000 Morgen urbarenLandes waren von der Krone den irischen Häuptlingen und ihren Stammverwandten ent-rissen und zum größten Theil an engl. Colonistcn vertheilt worden.
König Iakob I. (s. d.) faßte nun den Plan, die Lage J.s durch politische Reformenzu verbessern. Er wollte zuvörderst die Willkür der irischen Häuptlinge, die im Laufe derZeit eigentlich engl. Barone geworden, brechen und die Iren überhaupt zu freien, persön-lich berechtigten Männern, gleich den Engländern, machen. Zu diesem Zwecke begann erjedoch wieder mit Confiscationen. Er verlangte von jedem irischen Großen den Lehenbrief,der sein Besitzrecht begründete, und war die Urkunde nicht vorhanden, oder entdeckte mannur einen Formfehler, so zog man die Güter zu Gunsten der Krone ein. Von 800000Morgen Landes, die auf diese Weise dem Könige im Norden der Insel anheimfielen, wurdeder beträchtlichere Theil der irischen Bevölkerung gänzlich entzogen und an Schotten «derengl. Speculanten verkauft, welche die Stadt Londonderry gründeten. Die sonst trefflichenAnstalten, welche Jakob zur Civilisirung der Insel machte, konnten in der Folge diese Un-gerechtigkeit nicht ausgleichen. Er theilte I. in Kirchspiele ein, hob die rohen irischenRechtsgewvhnheiten auf,, führte das engl. Recht ein und erklärte alle Bewohner J.s kur